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Freundeskreis

Das schönste am Fußball ist, dass man so herrlich darüber streiten kann. Selbst mit Leuten, mit denen wir sonst keine zwei Sätze wechseln würden, können wir stundenlang über eine Elfmeter-Entscheidung diskutieren. So hat sich bei den meisten von uns mit der Zeit eine Fußball-Clique herausgebildet, in der es die unterschiedlichsten Charaktere gibt.

Welche Art VfB-Fan seid ihr? Seid ihr wie Sven*, der früher mal selbst in der Kreisklasse gekickt hat? Seine Eltern haben sich nur wegen Anpfiff Kabelfernsehen ins Haus geholt. Svenni hat Fußballposter an der Wand und am Spieltag trägt er immer das alte Südmilch-Trikot. Dazu trinkt er Unmengen Bier und ärgert sich wahnsinnig über Fehlpässe.

Oder identifiziert ihr euch mit Konstanze*. Die könnte ausrasten, wenn man sie Konschdanze nennt. Ob man nicht zur Schule gegangen sei, fragt sie dann. Aber du kannst wunderbar mit ihr über Nichtigkeiten diskutieren. Zum Beispiel ob das gestern eine Doppelsechs oder eine Doppelacht war, oder ob es satzungskonform ist, dass die Stinkstiefel aus der Führungsetage immer noch bei unserem Präsi in der Loge sitzen dürfen.

Oder findet ihr euch in Maximilian* wieder? Der nennt sich Unternehmer, obwohl sein Geschäft schon lange nichts mehr abwirft und er jetzt wieder Papa auf der Tasche liegt. Max ist einer, der in seiner dicken Karre noch zwei Runden auf dem Parkplatz dreht und den Motor aufheulen lässt, damit ihn ja keiner übersieht. Beim VfB kennt er jeden persönlich und prahlt gerne mit Insiderinfos. Die Entlassung Weinzierls hat er damals in Augsburg schon zur Halbzeit vorhergesagt.

Zurzeit ist Maximilian als Ratgeber gefragt. Wer soll den VfB in Zukunft führen? Man bräuchte einen echten Macher, meint er, so wie Uli Hoeneß früher einer war. Ob der Tausendsassa aus Kitzbühel das nicht könne? Der kann alles, schwärmt Max und zeigt stolz auf seine Anstecknadel des „Freundeskreis Volker Zeh“. Wenn du dem sagst, du möchtest morgen den ZDF-Fernsehgarten bei dir auf dem Stückle veranstalten, dann ruft der geschwind ein paar Leute an und die Sache ist geritzt. Die Moderation übernimmt er kurzerhand selbst.

Bei Sven steht die Freude über den ersten Heimsieg im Vordergrund. Vor allem über Wamangitukas Homerun. Seit Fredi Bobic hatte der VfB keinen so erfolgreichen Torschützen mehr in der Bundesliga, erzählt er stolz. Vergessen, dass er letzte Saison bei jeder unsauberen Ballannahme des Wingbacks den Couchtisch mit der Faust traktierte. Das über weite Strecken schwer verdauliche Spiel gegen Mainz glänzt bei Svenni im Rückblick wie frisch poliert. Jetzt sind am Mittwoch die Fohlen dran, frohlockt er. Wie man sie schlagen kann? Sosa Flanke – Sasa Tor. Dann sei man im DFB-Pokal von keinem mehr zu stoppen.

Derweil überlegt Konstanze, wie viele Rechtsanwälte der VfB mit der Ablöse von Silas engagieren könnte. Auch die Satzung hat sie unter dem Kopfkissen hervorgeholt. Schließlich gilt es herausfinden, ob Rainer Mutschler als eine der Schlüsselfiguren der Betrügereien überhaupt noch ein Stimmrecht im Präsidium haben darf. Eigentlich hätte er seine Ämter schon seit September ruhen lassen müssen. Gaiser alleine könnte wohl keine Mitgliederversammlung einberufen. Konstanze schreibt etwas in das altmodische Notizbuch, das sie immer bei sich trägt. Unter der Rubrik „Anträge MV“ gibt es kaum noch Platz. Alleine für die Abwahlanträge gingen bei der Versammlung fast zwei Stunden drauf, hat sie ausgerechnet. Vorausgesetzt die Abstimmungstechnik funktioniert – das weiß man beim VfB ja nie so genau.

VfB – FSV Mainz 05 2:0

* Anmerkung: Alle Namen in diesem Text sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist rein zufällig.

Mein erstes Spiel im Stadion: 1980 VfB – HSV 3:2 (Tore: Müller, Kelsch, Allgöwer) Mein schönstes Stadionerlebnis: 1991 VfB – BVB 7:0 (Allgöwer 2, Sverrisson 3, Walter 2) Meine erste Auswärtsfahrt: 1991 BVB – VfB 0:0 Emotionalster Erfolg: 1992 Deutscher Meister, letzter Spieltag B04 – VfB 1:2 (Tore: Walter, Buchwald) Lieblingsspieler: Helmut Roleder, Asgeir Sigurvinsson

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