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Besser, aber nicht gut genug

Der VfB ist in dieser Saison wahrlich schon schlimmer unter die Räder gekommen, auch im heimischen Neckarstadion. Als „kämpferisch stark“ oder „ganz ansehnlich“ bewerten manche den Auftritt gegen die Roten Bullen. Das ist gefährlich. Denn ordentliche Phasen, „aus denen man etwas mitnehmen kann“, gab es in der Vergangenheit schon oft, ohne dass die Mannschaft in den entscheidenden Spielen gegen die Konkurrenten aus dem unteren Tabellendrittel davon profitieren konnte. Sie hat eben nichts gelernt. Und da liegt das große Problem, das sich besonders Weinzierl ankreiden lassen muss.

Der neue Sportvorstand stärkte dem Trainer nach dem Spiel den Rücken, was aus seiner Sicht durchaus verständlich ist. Ungern möchte er seine Amtszeit mit einer Trainerentlassung beginnen. Außerdem ist völlig unklar, welcher Trainer aus der verunsicherten Mannschaft kurzfristig mehr herausholen könnte. Wenn es nach der Reschke-Entlassung so etwas wie ein Durchlüften in Cannstatt gab, will Hitzlsperger diesen Effekt nicht nach einem Spiel verpuffen lassen.

Tatsächlich gab es einige Mutmacher an diesem frühlingshaften Februarsamstag. Castro gewann gegen Leipzig wohl mehr Zweikämpfe als in allen seinen bisherigen Auftritten mit dem Brustring zusammen, Esswein war dermaßen on fire, dass er beinahe noch die Eckfahne umgegrätscht hätte und Monsieur war als zentraler Mann der Dreierkette im Vergleich zu Düsseldorf nicht wieder zu erkennen. Insgesamt trat das Team kompakter auf, verringerte die Abstände zwischen den Linien und zeigte im Zweikampf so etwas wie Willen.

Allerdings fehlen der Mannschaft nach wie vor Fähigkeiten, die man von jeder Bundesligamannschaft erwarten muss. Nach Ballgewinn gibt es nicht einmal ansatzweise einen Plan, wie man das eigene Spiel aufziehen möchte. Postwendende Ballverluste sind meistens die Folge. Ein eigener Ballvortrag ist nicht vorhanden. Hat sich jemand die Mühe gemacht, die planlosen langen Bälle, die Kurzpässe ins Nichts, die Ablagen für den Gegner in Blau-Gelb zu zählen? Drei Tormöglichkeiten ergaben sich letzten Endes am Samstag, den Elfmeter nicht mitgerechnet, denn das war aus meiner Sicht weder eine Torchance noch ein Strafstoß. An eine Freistoßflanke von Castro kam Kabak mit dem Kopf, eine Hereingabe von Esswein verlängerte Gomez zu Ascacibar, der volley an Gulasci scheiterte, einer gelungenen Einzelaktion von Esswein an der Strafraumgrenze folgte ein dankbarer Torwartball. Mehr gab es in 90 Minuten nicht. Auch nicht bei RB Leipzig, aber die machten drei Tore daraus.

Mein Fazit: Die Arbeit von Weinzierl muss sachlich bewertet werden. 11 Niederlagen aus 15 Spielen und ein spielerisches Armutszeugnis können nicht der Anspruch des VfB Stuttgart sein. Die Heimspiele gegen Hannover und Nürnberg könnten über die Zukunft der Weiß-Roten entscheiden. Bis dahin muss mehr Struktur in die Angriffsbemühungen kommen. Sonst werden lange Gesichter und verzweifelte Durchhalteparolen zum Markenzeichen der VfB AG.      

VfB – Red Bull Leipzig 1:3

Mein erstes Spiel im Stadion: 1980 VfB – HSV 3:2 (Tore: Müller, Kelsch, Allgöwer) Mein schönstes Stadionerlebnis: 1991 VfB – BVB 7:0 (Allgöwer 2, Sverrisson 3, Walter 2) Meine erste Auswärtsfahrt: 1991 BVB – VfB 0:0 Emotionalster Erfolg: 1992 Deutscher Meister, letzter Spieltag B04 – VfB 1:2 (Tore: Walter, Buchwald) Lieblingsspieler: Helmut Roleder, Asgeir Sigurvinsson

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