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Weihnachtsdämpfer

Schon am Samstagnachmittag beim Arminia-Auswärtscoup in Leipzig, spätestens aber seit dem Überraschungssieg der Hertha gegen Bayern-„Verfolger“ Dortmund beginnen die Schwaben unruhig ihre Gutsle auf dem Weihnachtsteller hin und herzuschieben. Als uns dann die Kölner in Person von – ratet mal – Anthony Modeste auch noch einen unsanften Schubs Richtung Abstiegszone geben, ist der vierte Advent endgültig gelaufen.

Die Leiden des jungen Mateo

Ungefähr eine Stunde lang bietet das letzte Bundesligaspiel des Jahres genau das, was wir im Vorfeld erwartet haben: Der VfB zeigt die reifere Spielanlage und lässt den Ball zeitweise gefällig durchs Mittelfeld laufen. Der Effzeh wirkt dagegen im Abschluss gefährlicher und erzielt in der 10. Minute durch Louis Schaub den vermeintlichen Führungstreffer, der wegen Abseits zurückgenommen wird.

Matarazzo gibt neben Marmoush und Förster dem zuletzt nicht mehr berücksichtigten Klimovicz eine neue Bewährungschance. Teto zeigt dann gleich wieder sein ganzes Repertoire: elegante Pirouetten und Hackentricks, dynamische Antritte, aber eben auch seine lustlose Körpersprache und die Abschlussschwäche, die uns schon seit Langem entnervt. Aus den Chancen in der 12. und 20. Minute muss ein Spieler seiner Klasse einfach viel mehr machen, wenn er es mit einer Bundesligakarriere ernst meint.

Was die Entscheidungsfindung im letzten Drittel angeht, eifert der junge Argentinier seinem Mitspieler mit der Nummer 20 nach. Förster und Klimovicz wären eine Traumbesetzung für das Duett des tragischen Chancentods. Omar Marmoush reibt sich davor in Zweikämpfen auf, holt viele Freistöße heraus, wirkt aber als Mittelstürmer nach wie vor deplatziert. Eine Rolle wie einst Cacau, der um Mario Gomez herumwirbelte, würde seine Stärken wohl besser zur Geltung bringen.

Der Trick mit dem Wechseln

Ab der 60. Minute baut die Mannschaft nicht zum ersten Mal merklich ab und verheddert sich zusehends im gegnerischen Pressing. Leider ist auf und neben dem Platz niemand da, der in dieser Phase den Schalter auf pragmatischen Punktgewinn-Modus umlegt.

Nicht nur die drei Offensiven aus der Startelf entwickeln kaum Torgefahr, auch nach den Einwechslungen von Nartey, Silas und Tibidi kommt kein vielversprechender Spielzug mehr zustande. Die Stuttgarter Ersatzspieler können ihrer Mannschaft – wie schon gegen die Bayern – keine neuen Impulse geben.

Foto: Marius Becker/dpa

Baumgart dagegen schafft es – wie schon im Pokal – dem Spiel mit seinen Wechseln die entscheidende Wende zu geben. Kingsley Schindler setzt sich schließlich in der 89. Minute auf der immer löchriger werdenden linken VfB-Abwehrseite durch und flankt punktgenau auf Modeste, der den Ball mit dem Kopf neben den linken Pfosten platziert.

Die Hinrunde im Rückblick

Die ersten haben schon berechnet: In dieser Saison wird man für den Klassenerhalt voraussichtlich mehr Punkte brauchen als zuletzt – vielleicht sogar die ominösen 40, die Sportdirektoren landauf landab gerne als Saisonziel ausgeben. Gleichzeitig blühen dem Sechzehnten zwei Spiele gegen den HSV, Schalke oder Werder. Den unbeliebten Relegationsplatz belegen jetzt also erst einmal für drei Wochen wir.

17 Punkte bei 22:31 Toren sind einerseits nur 5 Punkte weniger als in der glorifizierten Hinrunde der vergangenen Saison, allerdings auch nur 6 Gegentore weniger als die Schießbude der Liga zum gleichen Zeitpunkt der Abstiegssaison 2015/16 (Platz 15, 15 Punkten, 22:37 Toren). Übrigens: Weinzierls Unvollendete standen nach der Hinrunde 2018/19 auch auf dem Relegationsplatz (14 Punkte, 12:35 Tore).

Für Alarmstimmung ist es sicher noch zu früh, aber die Art und Weise, wie der VfB teilweise Punkte leichtfertig an die direkte Konkurrenz abgibt, muss schon kritisch hinterfragt werden.

In den nächsten Tagen findet ihr an gleicher Stelle Texte mit thematischen Rückblicken auf die Hinrunde:

  1. Die Defensive
  2. Die Offensive
  3. Das Trainerteam
  4. Die Kaderstruktur
  5. Der Nachwuchs
  6. Das Fazit  

1. FC Köln – VfB 1:0

Zum Weiterlesen:

Last Season, I gave you my heart (vertikalpass.de)

Ende der Schonfrist – Rund um den Brustring

Mein erstes Spiel im Stadion: 1980 VfB – HSV 3:2 (Tore: Müller, Kelsch, Allgöwer) Mein schönstes Stadionerlebnis: 1991 VfB – BVB 7:0 (Allgöwer 2, Sverrisson 3, Walter 2) Meine erste Auswärtsfahrt: 1991 BVB – VfB 0:0 Emotionalster Erfolg: 1992 Deutscher Meister, letzter Spieltag B04 – VfB 1:2 (Tore: Walter, Buchwald) Lieblingsspieler: Helmut Roleder, Asgeir Sigurvinsson

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