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Weihnachtlich glänzet der Brustring

Das renovierte Neckarstadion strahlt mit dem Himmel um die Wette. (Foto: mhp.com)

Der VfB hat schon lange nicht mehr so geglänzt wie in diesem Advent. Platz drei, fußballerisch auf Augenhöhe mit den Spitzenmannschaften: Die vielen emotionalen Highlights verursachen beinahe Schwindel. Letzte Befürchtungen, dass der Aufschwung nur ein Strohfeuer sein könne, hat die englische Woche beseitigt. Geht der schöne Traum immer weiter?

Anlässlich der Kontinentalmeisterschaften in Afrika und Asien fehlen dem VfB zu Jahresbeginn vier Nationalspieler.

Ein gutes Team darf nicht von Einzelnen abhängen. Dieser Grundsatz gilt in einem Fußballklub, der in den letzten Jahren regelmäßig seine besten Spieler an größere Vereine abgeben musste, in besonderem Maße. Kann die Mannschaft auch ohne Guirassy, Silas, Ito und Jeong ihr Niveau halten?

Dass Abgänge oder Ausfälle auch eine Chance sein können, haben zuletzt Mittelstädt, Stiller und Undav bewiesen. Dennoch wäre es falsch, darauf zu hoffen, dass der VfB die paar Wochen ohne die Auswahlspieler schon irgendwie überstehen werde. Sportdirektor Wohlgemuth sollte vielmehr schon im Winter für nächsten Sommer vorbauen.

Es ist nicht wichtig, wer geht, sondern wer kommt.

Strategische Kaderplanung lautet das Stichwort. Alle rechnen damit, dass uns nach der Saison wieder Leistungsträger verlassen. Den Kader trotz punktueller Veränderungen im Gleichgewicht zu halten und sukzessive weiterzuentwickeln, ist die hohe Kunst.

Wer wüsste besser als der VfB, dass im Erfolg die größten Fehler gemacht werden? Der Abschied von Kobel und Kalajdzic war sicher nicht leicht, doch heute werden ihre Nachfolger mit Sprechchören gefeiert. Tränen trocknen schnell im Fußball-Business.

Die Unterstützung der Fans trägt die Mannschaft wie auf einem Luftkissen durch die Saison.

Selbst nach drei Heimspielen innerhalb einer Woche hat der weiß-rote Anhang noch nicht genug. Rund 8000 werden heute zum Südgipfel nach Fröttmaning reisen. Es ist schon länger her, dass einer Mannschaft im Brustring realistische Chancen auf einen Sieg beim Rekordmeister eingeräumt wurden.

Der VfB in Topform, Sonntagabend Tatort-Zeit, halb Deutschland vor dem Fernseher: Gibt es einen besseren Moment, um „Stuttgart kommt“ durch das Schlauchboot schallen zu lassen? Von einem solchen Glanz lässt sich noch eine ganze Weile zehren.

Mein erstes Spiel im Stadion: 1980 VfB – HSV 3:2 (Tore: Müller, Kelsch, Allgöwer) Mein schönstes Stadionerlebnis: 1991 VfB – BVB 7:0 (Allgöwer 2, Sverrisson 3, Walter 2) Meine erste Auswärtsfahrt: 1991 BVB – VfB 0:0 Emotionalster Erfolg: 1992 Deutscher Meister, letzter Spieltag B04 – VfB 1:2 (Tore: Walter, Buchwald) Lieblingsspieler: Helmut Roleder, Asgeir Sigurvinsson

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