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Ohne Sahne

Die Bundesliga ist kein üppiges Buffet, an dem man sich den Teller vollladen kann. Es gibt keine einfachen Gegner. Schon gar nicht die SGE, die mit Hintergger, Abraham und Co jede Menge Erfahrung und Kampfstärke in die Waagschale wirft. Schon vor Anpfiff war klar, dass der VfB einen Sahnetag erwischen müsste, um den ersten Heimsieg einzufahren. Im Vorfeld war wieder einmal von einem richtungsweisenden Spiel die Rede. Kann die junge Mannschaft schon mit einem etablierten Bundesligisten mit Ambitionen aufs internationale Geschäft mithalten? Die gute Nachricht heißt: Ja, sie kann. Und trotzdem sieht man nach Abpfiff enttäuschte Gesichter.

29 Feldspieler tummelten sich unter der Woche auf dem Trainingsplatz an der Mercedesstraße. Der Trainer freute sich über „ein überragendes Trainingsniveau“ und über die Qual der Wahl bei Kaderbenennung und Aufstellung. Es gebe viele Spieler, die sich einen Einsatz verdient hätten. Nico González und Silas Wamangituka rücken schließlich für Sasa Kalajdzic und Tanguy Coulibaly in die Startelf, Didavi und Anton müssen wieder auf der Bank Platz nehmen. Mit Geschwindigkeit und Spielwitz will man die Frankfurter Abwehr vor Probleme stellen, was vor allem in der ersten Halbzeit immer wieder gelingt.   

Die schnellen Umschaltaktionen laufen oft über die rechte Frankfurter Abwehrseite, wo Almamy Toure den starken Borna Sosa nicht in den Griff bekommt. Auf der anderen Seite zeigt Hinteregger seinem Gegenspieler Silas, dass man fehlendes Tempo mit cleverem Zweikampfverhalten wettmachen kann. Der rechte Wingback in Matarazzos 3-5-2 sieht kein Land. Und trotzdem kommt der VfB immer wieder gefährlich vors Tor der Eintracht. Dass Nico González mit einer Einzelaktion den Elfmeter zur Führung selbst herausholt und das 2:0 mit einem starken Pass auf Castro vorbereitet, ist kein Zufall. Der Argentinier verdient sich vor der Pause die Bestnote im tristen Neckarstadion.

Adi Hütter muss sich dagegen fragen lassen, warum er erneut Toure und Zuber aufstellt, die im Vergleich zu ihren Konkurrenten auf den Außenbahnen deutlich abfallen. Mit den Einwechslungen von Amin Younes und Aymen Barkok kippt das Spiel nach der Pause nämlich zugunsten der Eintracht. Die beiden dribbelstarken Offensivspieler legen die Schwächen auf den Außenpositionen der VfB-Abwehr offen. Im Nachhinein hätte Matarazzo wohl auf Viererkette umstellen und auch auf den Kontrollverlust im Mittelfeld reagieren sollen.

Als er in der 72. Minute Coulibaly und Anton auf den Platz schickt, schwimmt seine Mannschaft nämlich bereits gewaltig. Der Ausgleich ist dann verdienter Lohn der Frankfurter Druckphase, auch wenn er nach einer schlecht verteidigten Ecke wieder einmal als Geschenk daherkommt. Die gefährlichen Gegenstöße des VfB bleiben jetzt meistens im Ansatz stecken. Die Offensivspieler können kaum noch Bälle festmachen. Viele Fans fragen sich, warum Kalajdzic und Didavi bis zur 85. bzw. 90. Minute auf der Bank ausharren müssen, obwohl sich die Statik des Spiels schon zu Beginn der zweiten Halbzeit verändert hat. Auch die Ballsicherheit eines Philipp Klement hätte vielleicht helfen können, die Eintracht vom eigenen Tor fernzuhalten.

Nach 90 Minuten pumpen die 22 Akteure in ihren dreckverschmierten Trikots wie die Maikäfer. Die Gäste nutzen die Schwächen des VfB geschickt aus und nehmen einen Punkt mit, der bei einigen dicken Torchancen zum 3:0 schon in weite Ferne gerückt war. Man könnte sagen: Die Brustringträger haben sich in der zweiten Halbzeit die Sahne vom Kuchen nehmen lassen. Die drei Unentschieden aus den letzten drei Spielen kommen so im Rückblick schon etwas trocken daher. Zumal in den kommenden Wochen die richtig großen Brocken warten.   

VfB – SG Eintracht Frankfurt 2:2

Mein erstes Spiel im Stadion: 1980 VfB – HSV 3:2 (Tore: Müller, Kelsch, Allgöwer) Mein schönstes Stadionerlebnis: 1991 VfB – BVB 7:0 (Allgöwer 2, Sverrisson 3, Walter 2) Meine erste Auswärtsfahrt: 1991 BVB – VfB 0:0 Emotionalster Erfolg: 1992 Deutscher Meister, letzter Spieltag B04 – VfB 1:2 (Tore: Walter, Buchwald) Lieblingsspieler: Helmut Roleder, Asgeir Sigurvinsson

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