Mutig oder kopflos?

Nach 52 Minuten scheint das Eröffnungsspiel der Bundesligasaison 26/27 offen. Josha Vagnoman nimmt einen Abpraller im Münchner Strafraum direkt und trifft zum umjubelten Ausgleich. Die folgenden fünf Minuten rücken die Kräfteverhältnisse zwischen dem Doublegewinner und dem schwäbischen Champions-League-Teilnehmer allerdings wieder gerade. Sie stehen sinnbildlich für die erfolglosen Versuche der Hoeneß-Elf, etwas Zählbares gegen die Bayern mitzunehmen.
Wie in den Achtzigern
Nach dem Spiel beginnen Diskussionen über die taktische Herangehensweise der Gäste: hohes Pressing verbunden mit einer Manndeckung über das ganze Feld – Mut oder untaugliches Mittel?
In der vergangenen Saison scheiterte Sebastian Hoeneß gegen den Rekordmeister mit ähnlichen Matchplänen gleich vier Mal, zuletzt beim 0:3 im Pokalfinale. Eine weitere Parallele: Der VfB kann das Spiel eine knappe Stunde lang offenhalten, bevor er innerhalb weniger Minuten in sich zusammenfällt.
„Mutig kopiert ist schon verloren“ titelt die Süddeutsche Zeitung, „Nicht nur keine gute, sondern eine richtig schlechte Idee“ kommentiert Oliver Fritsch in DIE ZEIT. Die Stoßrichtung der journalistischen Einordnung des deutlichen Auftaktsiegs der Bayern: Wenn man den Krösus schlagen will, darf man ihm nicht so leichtfertig in die Karten spielen.
Das Eins-gegen-eins über den ganzen Platz sei altmodisch wie die Achtziger und werde ausschließlich in der Bundesliga praktiziert, heißt es im ZEIT-Kommentar. Wirklich? Schon mal was von Gian Piero Gasperini und Mikel Arteta gehört? Im internationalen Fußball ist dieser Ansatz längst zu einem gefürchteten Stilmittel geworden.
Dass die Argumentationslinie der Kommentatoren mitunter mäandert, ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass sich die nationale Konkurrenz schwertut, eine wirksame Strategie gegen die übermächtigen Kompany-Bayern zu finden. Für einen mutigen Auftritt gibt es im Fußball keine Punkte, zumal der VfB in der Schlussphase knapp an einem echten Debakel vorbeischrammt.
Offene Räume
Bei der individuellen Überlegenheit der Bayern-Spieler gehen direkte Duelle eben öfter verloren. Wenn sich in der Folge im Abwehrzentrum so große Lücken auftun wie am Freitag, fallen die Gegentore wie reife Früchte vom Baum.
Beim 2:1 verliert Tomás seinen Gegenspieler Olise im Strafraum aus den Augen, vor dem 4:1 schickt Saibari Finn Jeltsch ins Kino, bevor Diaz nach einem Ballverlust im Spielaufbau mutterseelenallein vor Bredlow auftaucht. So blauäugig darf man gegen eine Spitzenmannschaft einfach nicht verteidigen.
Hinzu kommt, dass der VfB seine Stärken zu selten einbringen kann. Gerade einmal drei Dribblings und eine Passquote von 76 Prozent stehen für die Schwaben zu Buche, an Undav und Pejcinovic läuft das Spiel völlig vorbei.
Das alte Lied
Sebastian Hoeneß ist nicht nur familiär eng an den Rekordmeister aus München gebunden, sondern verdankt ihm auch seinen Durchbruch als Profi-Trainer. Gegen Top-Teams wie Dortmund, Leverkusen und Leipzig hat der VfB-Trainer Lösungen gefunden, gegen die Bayern beißt sich seine Mannschaften regelmäßig die Zähne aus. So bleibt zum Start der neuen Saison wieder einmal nur das vergiftete Lob für einen mutigen Ansatz.
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reybucanero74
Mein erstes Spiel im Stadion: 1980 VfB – HSV 3:2 (Tore: Müller, Kelsch, Allgöwer) Mein schönstes Stadionerlebnis: 1991 VfB – BVB 7:0 (Allgöwer 2, Sverrisson 3, Walter 2) Meine erste Auswärtsfahrt: 1991 BVB – VfB 0:0 Emotionalster Erfolg: 1992 Deutscher Meister, letzter Spieltag B04 – VfB 1:2 (Tore: Walter, Buchwald) Lieblingsspieler: Helmut Roleder, Asgeir Sigurvinsson