In voller Blüte

Das letzte Ligaspiel in Frankfurt verläuft weniger spannend als erwartet. Am 23. Mai gegen 17:30 Uhr steht fest: Der VfB qualifiziert sich nach 2024 zum zweiten Mal unter Sebastian Hoeneß für die Champions-League und spielt damit im dritten Jahr nacheinander international. Wie hoch diese Leistung auch intern eingeschätzt wird, zeigt sich beim emotionalen Jubel des Trainers vor dem Auswärtsblock. Sieben Jahre nach dem Abstieg verbunden mit einem tiefgreifenden Umbruch steht der Traditionsklub aus Cannstatt in voller Blüte.
Entwicklung ist Trumpf
Wenn man ein Paradebeispiel für die beeindruckende Entwicklung in der abgelaufenen Saison sucht, fallen einem mehrere geeignete Protagonisten ein. Viele Talente sind unter Hoeneß zu etablierten Bundesligaspielern oder sogar zu Nationalspielern geworden.
Ein besonderes Beispiel ist Nikolas Nartey, der nach langer Leidenszeit eine starke Saison ohne größere Verletzungen spielte. Insgesamt 38 Einsätze in allen Wettbewerben, 4 Tore und 4 Vorlagen stehen für den dänischen Nationalspieler zu Buche. In der Endphase der Saison bekam der 26-jährige oft den Vorzug vor Königstransfer El Khannouss und dankte es dem Trainer mit überzeugenden Leistungen. Die Wertschätzung innerhalb des Klubs drückt sich auch in der Vertragsverlängerung um zwei weitere Jahre aus. Niko wird wahrscheinlich bald sein Debüt in der Champions League geben – eine Entwicklung, die noch vor einem Jahr kaum einer für möglich gehalten hätte.
Ein weiterer Senkrechtstarter ist Ramon Hendriks, der im Sommer 2024 für weniger als eine Million Euro nach Stuttgart wechselte. Schon in seiner ersten Saison übertraf der 24-jährige Niederländer die Erwartungen, bevor er im vergangenen Jahr durch konstant gute Auftritte ins Blickfeld großer europäischer Klubs geriet. In 22 Ligaspielen stand der „Flying Dutchman“ in der Startelf. Das Trainerteam formte aus dem pfeilschnellen, aber fußballerisch limitierten Innenverteidiger einen vielseitig einsetzbaren Abwehrspieler, der als Geheimwaffe gegen die gefährlichsten Angreifer des Gegners gilt.
Für alle Talente im VfB-Kader, die den großen Sprung bis jetzt noch nicht geschafft haben, besteht die realistische Hoffnung, die nächsten Schritte unter der Anleitung des Entwicklers Hoeneß in der nächsten Saison zu gehen. Es würde einen nicht wundern, wenn bald Finn Jeltsch, Noah Darvich, Justin Diehl oder Dennis Seimen in aller Munde wären.
Biotop Bad Cannstatt
Möglich geworden sind solche Entwicklungen durch eine breit angelegte Professionalisierung im Klub. Also genau das, was einst Präsident Wolfgang Dietrich in Aussicht stellte, bevor Michael Reschke die Wahrheit beugte und Markus Weinzierl den Nachwuchskräften den Spaß am Fußball verdarb. Eingeleitet durch Hitzlsperger, Mislintat und nicht zuletzt NLZ-Leiter Thomas Krücken sind Strukturen entstanden, die eine solide Basis für den heutigen Erfolg bilden. Vorstandschef Wehrle und Sportvorstand Wohlgemuth schlugen nach neuerlichen Irrungen im Frühjahr 2023 endgültig den Erfolgspfad ein, als sie Sebastian Hoeneß als Nachfolger von Bruno Labbadia verpflichteten.
Für einen talentierten jungen Spieler – oder Spielerin – gibt es derzeit in Deutschland wohl kaum einen attraktiveren Klub. Ein geeinter Verein mit einem enormen Rückhalt in der Region und eine professionell geführte Fußball AG, die ihre sportlichen Ziele konsequent verfolgt, sorgen für fruchtbaren Nährboden.
Die deutsche U17-Meisterschaft, der DFB-Pokalsieg der U19, der Einzug der Profis ins DFB-Finale, der Aufstieg der VfB-Frauen in die erste Liga, der DFB-Pokaltitel für die U17-Frauen, der ungefährdete Klassenerhalt der U21 in der 3. Liga kommen zur Champions-League-Qualifikation hinzu – in Bad Cannstatt scheint gerade die Sonne.
Die nächsten Schritte
Angesichts der Erfolgswelle der Teams im Brustring erschallen Rufe nach höheren Zielen. Doch der Blick an andere Bundesligastandorte zeigt, dass eine erfolgreiche Phase von drei Jahren noch lange keine Garantie für Erfolge in der Zukunft ist. Der nächste Schritt für den Klub aus Cannstatt heißt Konsolidierung. Es gilt, das Gehaltsgefüge im Rahmen zu halten, jungen Talenten weiterhin Raum für Entwicklung zu geben sowie den eingetragenen Verein und die Fans auf diesem Weg mitzunehmen.
Die Infrastruktur auf dem Klubgelände kann mit der rasanten sportlichen Entwicklung nicht mithalten, Trainingsplätze sind knapp und das Klubhaus in die Jahre gekommen. Es bleibt also genug zu tun. In aller Bescheidenheit – denn das ist gerade jetzt die wertvollste Eigenschaft aller Beschäftigten an der Mercedesstraße.
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reybucanero74
Mein erstes Spiel im Stadion: 1980 VfB – HSV 3:2 (Tore: Müller, Kelsch, Allgöwer) Mein schönstes Stadionerlebnis: 1991 VfB – BVB 7:0 (Allgöwer 2, Sverrisson 3, Walter 2) Meine erste Auswärtsfahrt: 1991 BVB – VfB 0:0 Emotionalster Erfolg: 1992 Deutscher Meister, letzter Spieltag B04 – VfB 1:2 (Tore: Walter, Buchwald) Lieblingsspieler: Helmut Roleder, Asgeir Sigurvinsson