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Pfosten rettet

Alexander Nübel sichert dem VfB mit seinen Paraden einen Punkt. (Foto: IMAGO/STEINSIEK.CH)

VfB-Spiele in Sinsheim haben seit der roten Invasion vor zwei Jahren eine besondere Note. Im März 2024 spielten die Weiß-Roten chancenlose Kraichgauer an die Wand und dominierten das Stadion auf unvergessliche Weise. Kann sich Geschichte wiederholen? Mit dieser Hoffnung im Gepäck reisen am Samstag erneut Tausende schwäbische Anhänger ins Badische. Und sehen wieder eine denkwürdige Partie – nur diesmal anders.

Energielevel

Die TSG Hoffenheim beweist schon früh im Spiel, dass sie zurecht um die Champions-League-Plätze spielt. Mit ihrer laufintensiven und kampfbetonten Spielweise setzt die Ilzer-Elf die Gäste ständig unter Druck. Vom gepflegten Hoeneß-Ball ist wenig zu sehen.

Der 2:1-Rückstand zur Pause schmeichelt den Schwaben, da sie ihre Stärken nicht zur Geltung bringen. Gerade die Säulen der Mannschaft wirken ungewohnt wackelig: Stiller spielt unter der engen Bewachung seiner Gegenspieler mehr Fehlpässe als sonst in einem Monat, Chabot rückt immer wieder aus der Abwehrreihe und wirkt dort verloren, Undav und Leweling gelingt so gut wie nichts. Nicht zum ersten Mal erreicht der VfB vor der Pause das erforderliche Energielevel nicht.

Einer der wenigen im Brustring, der die Bedeutung des Spiels erfasst zu haben scheint, ist Chris Führich. Fast alle gefährlichen VfB-Angriffe laufen über seine linke Seite. Aus spitzem Winkel mogelt er in der 20. Minute seinem Nationalmannschaftskollegen Baumann den Ball durch die schmale Lücke zwischen Torwart und Pfosten zum zwischenzeitlichen Ausgleich.

Mister Nachspielzeit

Als die Trainer bei der Pressekonferenz Bezug auf das gleichermaßen wilde und hochklassige 4:5 der Bayern im Prinzenpark nehmen, meinen sie wohl die Auflösungserscheinungen im Mittelfeld nach der Pause in Sinsheim. Die Gastgeber kommen dadurch zu Kontergelegenheiten, die locker für zwei Siege gereicht hätten. Doch mal verdaddeln die Hoffenheimer Angreifer vielversprechende Überzahlsituationen, mal rettet irgendein Körperteil des starken Nübel, mal der Pfosten.

Dass der VfB am Ende trotz aller Widrigkeiten einen Punkt mitnehmen darf, hat auch mit der Leistungssteigerung nach dem Platzverweis gegen Karazor zu tun. Demirovic und Mittelstädt injizieren der Mannschaft neue Energie und der bislang wenig auffällige Undav bereitet den Last-Minute-Ausgleich sehenswert mit der Brust vor. Die Hoeneß-Elf wirkt auf der Schlussgeraden der Saison wie ein Abbild des Mister Nachspielzeit, Tiago Tomás: Phasenweise blitzt großes fußballerisches Können auf, doch auf Strecke reicht die Leistung nicht für gehobene Ansprüche.

Drei Endspiele

In der Champions-League wird man mit Darbietungen wie in den vergangenen Wochen nicht viele Punkte holen. Basel, Rennes oder Midtjylland sind da schon eher Gegner, mit denen man sich auf Augenhöhe messen kann. Doch um sportliche Argumente geht es im Fußball-Business schon lange nicht mehr. Nur die Champions-League-Millionen versprechen eine Weiterentwicklung des Klubs und der Mannschaft. Das wissen auch die Spieler, denn Geld in den Kassen ihres Klubs verbessert ihre Verhandlungsposition, wenn es ums Gehalt geht. Gerade diejenigen, nach deren Selbstverständnis die Europa-League ein Verliererwettbewerb ist, müssen nun gegen Leverkusen, Frankfurt und die Bayern beweisen, dass sich ihre Ansprüche auch in Leistungen auf dem Platz niederschlagen. Zwei gute Aktionen in 90 Minuten sind da zu wenig.

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Mein erstes Spiel im Stadion: 1980 VfB – HSV 3:2 (Tore: Müller, Kelsch, Allgöwer) Mein schönstes Stadionerlebnis: 1991 VfB – BVB 7:0 (Allgöwer 2, Sverrisson 3, Walter 2) Meine erste Auswärtsfahrt: 1991 BVB – VfB 0:0 Emotionalster Erfolg: 1992 Deutscher Meister, letzter Spieltag B04 – VfB 1:2 (Tore: Walter, Buchwald) Lieblingsspieler: Helmut Roleder, Asgeir Sigurvinsson

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