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Das Trainerteam

Nach den Texten zur Mannschaft (Defensive und Offensive) lest ihr heute, wie die Hinrunde für das Trainerteam gelaufen ist.

Viele halten Pellegrino Matarazzo für einen Glücksfall. Der besonnene Italo-Amerikaner vereint nämlich Eigenschaften, die ihn für die Entwicklung der jungen VfB-Mannschaft hervorragend eignen. Nach der Gereiztheit eines Markus Weinzierl und der Eindimensionalität eines Tim Walter tut die selbstreflektierte Art des Cheftrainers dem ganzen Umfeld gut.

Auch seine Arbeit kritisch zu hinterfragen, bedeutet aber keinesfalls, den eingeschlagenen Weg insgesamt in Frage zu stellen, sondern gehört zu der neuen Streitkultur, die wir uns für den Klub wünschen.

Lauter Spezialisten

Nicht nur den Kader sondern auch das Trainer- und Funktionsteam krempelte die neue sportliche Leitung nach dem zweiten Abstieg innerhalb von drei Jahren komplett um und leitete unter anderem die überfällige Professionalisierung in den Bereichen Scouting, Spielanalyse und Teambetreuung ein.

An der Seite von Cheftrainer Pellegrino Matarazzo sind mit Michael Wimmer, Michael Kammermeyer und Peter Perchthold alleine drei Co-Trainer für den Lizenzspielerkader verantwortlich. Perchthold bildet gleichzeitig die Schnittstelle zur Nachwuchsabteilung. Steffen Krebs arbeitet seit Saisonbeginn mit den drei Torhütern.

Oliver Bartlett, Matthias Schiffers und Martin Franz sind für Athletik und Reha zuständig. Dino Poimann (Sportpsychologe), Marcus Fregin (Chefanalytiker), Max Lesser und Emiel Schulze (Spielanalyse) ergänzen das insgesamt 23-köpfige Trainer- und Funktionsteam, zu dem natürlich auch VfB-Legende Günther Schäfer (Teammanager) und Meisterspieler Peter Reichert (Betreuer und Übersetzer) gehören. Einer der dienstältesten Mitarbeiter ist Masseur Gerhard Wörn, der letztes Jahr sein 30-jähriges Jubiläum feierte.

Viel Personal, wenig Nutzen?

Im Laufe der Hinrunde tauchte immer wieder der Vorwurf auf, die Athletikabteilung unter der Führung von Oliver Bartlett sei mitschuldig an der Verletztenmisere. Schaut man genauer hin, handelte es sich jedoch bei den meisten Blessuren um Kontaktverletzungen. Es gibt auch keine Anhaltspunkte dafür, dass die aufgetretenen Muskelverletzungen auf falsches Training zurückzuführen sind.

In den vergangenen Wochen fiel aber auf, dass die Mannschaft in der Schlussphase nichts mehr zuzusetzen hatte. In der zweiten Hälfte wirkte das Team in Köln regelrecht ausgepowert. Noch letzte Saison gehörte der VfB ab der 75. Minute zu den stärksten Bundesligateams. Ein generelles Fitnessdefizit halte ich daher für unwahrscheinlich. Eher haben wir es mit Verschleißerscheinungen bei einzelnen Spielern sowie den Folgen von Verletzungen und Corona-Infektionen zu tun.

Manche stellen sich zudem die Frage, ob das Trainerteam das Einüben von Standardsituationen vernachlässigt hat. Weder defensiv noch offensiv zeigte sich die Mannschaft in dieser Disziplin auf der Höhe der Liga, was nicht nur an den ständig wechselnden Formationen liegen kann. Gerade im Abstiegskampf würden weniger Gegentreffer und das eine oder andere einfache Tor nach einem Freistoß oder Eckball sicher weiterhelfen.

Von außen betrachtet, könnte man auch auf die Idee kommen, dass die Abteilung Spielanalyse schon ein paar Tage früher in Weihnachtsurlaub gegangen sei, denn in Köln fiel der entscheidende Gegentreffer nach einem Angriff, der als Prototyp für die Spielweise des Teams von Steffen Baumgart herhalten könnte. Ähnliches gilt für andere Tore, die sich der VfB in der Hinrunde gefangen hat. Doch interne Prozesse sollte man nicht so oberflächlich bewerten, wenngleich sich letzten Endes alle Trainer und Betreuer am Erfolg der Mannschaft messen lassen müssen.

Stockende Entwicklung

Über dem sportlichen Weg des VfB steht seit Sommer 2019 die Überschrift Entwicklung. Matarazzo hat es in seiner inzwischen zweijährigen Amtszeit geschafft, die Spielweise der Mannschaft insgesamt variabler zu gestalten. Der Entwicklungsprozess ist in den letzten Monaten allerdings aus verschiedenen Gründen ins Stocken geraten.

Abgesehen von den positiven Überraschungen der Hinrunde – Ito und Mavropanos – stagniert die Entwicklung vieler junger Spieler. Einige sind in dieser Spielzeit überhaupt noch nicht in Erscheinung getreten, andere wirken mental und taktisch überfordert. Die Unbeschwertheit der Vorsaison ist verschwunden. Die anspruchsvolle Aufgabe des Trainerteams wird es nun sein, das Potenzial im Kader unter dem wachsenden Druck des Abstiegskampfes zu entfalten.

Matarazzo hat zuletzt – entgegen seiner sonstigen Gewohnheit – eindeutige öffentliche Forderungen an seine Spieler gestellt. Wer im Spieltagskader stehen will, muss unter der Woche zeigen, dass er bereit ist. Und wer von der Bank ins Spiel kommt, muss zumindest läuferisch und kämpferisch Akzente setzen. Seine Geduld mit manchem Spieler scheint sich bei allem Einfühlungsvermögen so langsam zu erschöpfen.

Matarazzo fordert seine Spieler heraus. (Foto: VfB-exklusiv.de)

Dennoch macht das Verhältnis des Cheftrainers zu den Spielern einen intakten Eindruck. So agierte er nach der ernüchternden Heimniederlage gegen Bielefeld im Training als zusätzlicher Verteidiger und forderte seine Spieler mit einer Wette heraus. Beim wichtigen Auswärtssieg in Wolfsburg wurde er in inniger Umarmung mit seinen Spielern fotografiert. Ab Januar muss Rino allerdings andere Qualitäten zeigen. Im Abstiegskampf ist Führung gefragt. Schwächephasen kann sich seine Mannschaft nicht mehr leisten.

Taktik und Wechsel

In der zweiten Bundesligasaison werden an einen Aufsteiger in taktischer Hinsicht neue Anforderungen gestellt. Die gegnerischen Trainer sind nicht mehr so leicht zu überraschen. Vor der Saison formulierte Matarazzo den Anspruch, aus eigenem Ballbesitz mehr Torgefahr zu entwickeln. Betrachtet man die Entstehung der 22 erzielten Treffer der Hinrunde, wird deutlich, dass der VfB zwar aus dem Positionsangriff heraus erfolgreicher agiert, gleichzeitig aber an Effizienz im Umschaltverhalten, bei Standardsituationen und Flanken von den Außenpositionen eingebüßt hat.

Der Spielaufbau erfolgt nach wie vor hauptsächlich über flache Pässe durchs Zentrum, was bei aggressivem Angriffspressing des Gegners leicht zu Ballverlusten führt. In den letzten beiden Partien der Hinrunde musste die Mannschaft nicht zum ersten Mal erfahren, dass die vom Trainer vorgegebenen Prinzipien in manchen Spielsituationen nicht zum gewünschten Erfolg führen.

Eine der Stärken der Vorsaison waren die funktionierenden Automatismen im Angriffsspiel. Auch durch die verletzungsbedingten Ausfälle von Schlüsselspielern wirkten die Abläufe in den letzten Monaten nicht mehr so harmonisch. Es fehlt ein Zielspieler, der Bälle festmachen und ablegen kann.

In der Rückrunde wird es darauf ankommen, alte Qualitäten wiederzubeleben und mit neuen Ansätzen zu ergänzen. Dem Trainer muss es auch wieder gelingen, Spielen durch Einwechslungen eine Wende zu geben. Der Kader ist groß genug, um den Konkurrenzkampf so zu befeuern, dass sich die Spieler von der Bank unbedingt zeigen wollen. In der Hinrunde wechselte Matarazzo nur vier Spieler ein, die im weiteren Spielverlauf an einem Tor beteiligt waren, in der vergangenen Saison lag der VfB mit 25 Torbeteiligungen noch ligaweit an der Spitze.

Die Herausforderung

Nachdem die vergangene Saison erfreulich sorgenfrei ablief, steht das Trainerteam in der Rückrunde unter Druck. Dass Matarazzo den aushalten kann, hat er in der zweiten Liga nach den Niederlagen in Wehen und Kiel sowie einem Halbzeitrückstand gegen den HSV bewiesen. Auch nach der schmerzhaften Derbyniederlage in Karlsruhe schlug seine Mannschaft zurück und gewann die entscheidenden Spiele gegen Sandhausen und in Nürnberg deutlich.

Des Rückhalts der sportlichen Leitung kann sich der Trainer dabei sicher sein. Mislintat hat seine eigene Zukunft eng mit Matarazzo verknüpft, versichert aber: Wir challengen uns jeden Tag gegenseitig und diskutieren dabei auch öfter hitzig. Genau diese Kritikfähigkeit wünscht man auch manchen Beobachtern, die bereits das Ende des Stuttgarter Wegs wittern, sobald jemand ein Widerwort wagt.

Mein erstes Spiel im Stadion: 1980 VfB – HSV 3:2 (Tore: Müller, Kelsch, Allgöwer) Mein schönstes Stadionerlebnis: 1991 VfB – BVB 7:0 (Allgöwer 2, Sverrisson 3, Walter 2) Meine erste Auswärtsfahrt: 1991 BVB – VfB 0:0 Emotionalster Erfolg: 1992 Deutscher Meister, letzter Spieltag B04 – VfB 1:2 (Tore: Walter, Buchwald) Lieblingsspieler: Helmut Roleder, Asgeir Sigurvinsson

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