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Da waren´s nur noch sieben

Wenn es in der Schlussphase der Saison wirklich um etwas geht, sprechen Trainer gerne von Endspielen. Nach der Länderspielpause standen für den VfB noch acht Spiele dieser Art auf dem Spielplan. Man strebe ein Endspiel gegen Schalke an, ließ Weinzierl wissen. Das war am Freitag. Drei Tage später muss man schon frühlingstrunken sein, um dem VfB mehr als die Relegation zuzutrauen. Und selbst die wackelt. Daran hat ausgerechnet der Mann, der von einem Showdown in Gelsenkirchen träumt, einen erheblichen Anteil.

Der Schalker Auswärtssieg in Hannover gibt der Mannschaft am frühen Sonntagabend die Marschrichtung vor. Man muss in Frankfurt auf Sieg spielen. Was auch sonst in einem Endspiel? Bis zur 30. Minute hält der VfB das Spiel dann auch erfreulich offen, bevor sich der in die Startelf zurückgekehrte Kapitän Gentner an die Wade fasst. Mit Didavi kommt einer der Cannstatter Hoffnungsträger aufs Feld und zeigt in den restlichen 60 Minuten, warum diese Hoffnung trügerisch ist. Dida findet nicht ins Spiel, kommt nicht in die Zweikämpfe, wirkt auf der Acht orientierungslos. Kurz vor der Halbzeit dann der Schock: Beck verliert auf der rechten Abwehrseite Kostic aus den Augen, der aus spitzem Winkel eigentlich kein Tor machen kann. Eigentlich. Denn Zieler schafft es irgendwie, sich noch rechtzeitig wegzuducken. Damit ist der Stecker gezogen. Die zweite Halbzeit erinnert in punkto Planlosigkeit und Unordnung an die ersten Spiele der Weinzierl-Ära. Der Trainer schaut von der Seitenlinie tatenlos zu, wie sein Team den Faden verliert und der Niederlage entgegentaumelt. Aogo kommt für Zuber. Gómez für González. Die falschen Signale. Weinzierls Wagenburg-Strategie ist wirkungslos und gefährlich. Während sich die Mannschaft in der zweiten Halbzeit keine Torchancen mehr erspielt, sitzen Donis, Thommy und Akolo auf der Bank bzw. Tribüne. Sosa und Maffeo sind bereits als Hallodris abgestempelt. Wenn die Defensivstrategie nicht greift, die gegen Dortmund und Bremen noch leidlich aufging, steht die Mannschaft mit runtergelassenen Hosen da. Es gibt keinen offensiveren Plan B. Die Spieler, die man dafür bräuchte, sind aussortiert.

Und jetzt kommt Nürnberg. Ein Endspiel?

Jetzt kann man wie die lokale Presse den jungen Argentinier zum Sündenbock machen. Man kann aber auch fragen, ob ein Offensivkonzept, das sich einzig und allein auf die Torgefahr eines Steven Zuber sowie die Laufarbeit von Esswein und González verlässt, für die Bundesliga ausreicht. Der Stuttgarter Angriff ist, wie schon über die gesamte Saison, ein extrem laues Lüftchen. Und der Abstand zum direkten Abstiegsplatz ist wieder geringer als der zum rettenden Rang 15. Nicht nur, was die Punkte, sondern – und das ist weit beunruhigender – auch was den Zustand der Mannschaft betrifft. Weinzierl setzt alles auf seine Auserwählten. Mit Glück könnten wir auf diese Weise haarscharf an der Katastrophe vorbeischrammen. Ein Zurück wird es mit diesem Trainer nicht mehr geben. Und hoffentlich auch kein „Weiter so“.    

Eintracht Frankfurt – VfB 3:0

Mein erstes Spiel im Stadion: 1980 VfB – HSV 3:2 (Tore: Müller, Kelsch, Allgöwer) Mein schönstes Stadionerlebnis: 1991 VfB – BVB 7:0 (Allgöwer 2, Sverrisson 3, Walter 2) Meine erste Auswärtsfahrt: 1991 BVB – VfB 0:0 Emotionalster Erfolg: 1992 Deutscher Meister, letzter Spieltag B04 – VfB 1:2 (Tore: Walter, Buchwald) Lieblingsspieler: Helmut Roleder, Asgeir Sigurvinsson

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