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Der goldene Schuss

Babba, hen mir oigentlich scho amol Relegation gschpielt? – I glaub nedd, Jongr. – Isch des wia Europa-Cup mit Auswärtstorregel ond ällem Kruscht? Woisch was, Vaddr, i fends guat, dass dr VauEffBee sich des Johr qualifiziera doht.

Fanmarsch, Choreo und Schlachtgesänge. Alles in Weiß-Rot, alles für Weiß-Rot. VfB-Fans sind wie Junkies. Sie wissen ganz genau, dass sie sich in einer Sackgasse befinden, dass alles falsch läuft, aber wenn sie auf Droge sind, kommt die Euphorie. Für ein paar Stunden wird dann das ganze Elend ausgeblendet, bevor das Frösteln und Zittern von neuem beginnt.

Ich bin jetzt total auf Affe, um im Bild zu bleiben. Am liebsten würde ich jedem, der mich auf Fußball anspricht, „rächts ond lings an d´ Backa noh schlaga“. Gute Torhüterleistung? Mental stark? Alles versucht? F R E S S E ! Dann kommt Hitz, der Sportvorstand. Hitz the Hammer war er, als ich noch druff war. „Wir ziehen das zusammen durch.“ Wer zieht was wo durch? Und wo kommen wir am Ende raus? Der Typ klingt wie mein Bewährungshelfer, der mich zu einer erneuten Entziehungskur überreden will. „Wir müssen mit dem einen Punkt leben.“ Ach echt? Wenn die Entzugserscheinungen richtig hart sind, wäre es mir manchmal lieber zu verrecken.

Kommen wir also zu den Dingen, die falsch laufen. Habt ihr ein bisschen Zeit mitgebracht? Könnte nämlich länger werden. Während eines VfB-Spiels bin ich im Rausch, das hatten wir schon. Aber manchmal werfe ich einen Blick auf die Uhr, um Bela-Rethy-like mein ganz persönliches Zwischenfazit zu ziehen. Nach 25 Minuten gegen den Club: Der VfB läuft zwar zeitweise hoch an und bringt die Nürnberger damit auch in Bedrängnis, aber es wirkt so koordiniert wie eine Horde Erstklässler auf dem Pausenhof. Überhaupt: Falls Weinzierl seinen Spielern einen Matchplan auf den Weg gegeben hat, hüten sie das Geheimnis wie ihren Augapfel. Die Mittelfeldreihe ist mit und gegen den Ball orientierungslos und überfordert. Mein Halbzeitfazit erspare ich euch, denn da ist wenig Druckreifes dabei. Der Entzug beginnt dieses Mal schon mit der zweiten Halbzeit. Ich habe das Tor verpasst, weil ich nicht mehr hingucken konnte. Den Videoschiedsrichtern in Köln muss es ähnlich gegangen sein. Ich glaube, die mussten erst ihre ganzen Systeme wieder hochfahren, bevor sie zu der högschdpräzisen Entscheidung kamen: Donis war nicht im Abseits. Die beste Aktion des Griechen, das steht fest.

Ich langweile euch? Ich mich selbst auch. Wir könnten jetzt über einzelne Spieler fachsimpeln, über Taktik und Coaching, oder einfach stundenlang DIETRICH RAUS brüllen. Das Schlimme ist nur: Es hilft nicht. Nicht gegen den Affen. Da hilft nur neuer Stoff. Ich habe meine Karte für Augsburg trotz Postleitzahlenfilter schon sicher. Beim Stoff besorgen kenne ich mich aus. Und mit mir tausende andere Druffis, die innerhalb einer Stunde die ganze Kurve Süd leerkauften. Relegation? Urlaubsantrag schon eingereicht. Ich hoffe, Herr Hitzlsperger weiß, welche Verantwortung er trägt. Wenn das nämlich so weiter geht, setzen wir uns in der Relegation den goldenen Schuss. Dann werden wir den Traum von Zweite Liga und Oberliga, von Weinzierls Rückzug nach Straubing verpassen und niemals den Tag erleben, an dem unser Präsident sagt: „Ich habe dem VfB Stuttgart mit meinen Entscheidungen so viel Schaden zugefügt, dass ich mich hiermit in aller Form entschuldigen muss. Ich trete zurück.“

VfB – 1. FC Nürnberg 1:1

Mein erstes Spiel im Stadion: 1980 VfB – HSV 3:2 (Tore: Müller, Kelsch, Allgöwer) Mein schönstes Stadionerlebnis: 1991 VfB – BVB 7:0 (Allgöwer 2, Sverrisson 3, Walter 2) Meine erste Auswärtsfahrt: 1991 BVB – VfB 0:0 Emotionalster Erfolg: 1992 Deutscher Meister, letzter Spieltag B04 – VfB 1:2 (Tore: Walter, Buchwald) Lieblingsspieler: Helmut Roleder, Asgeir Sigurvinsson

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