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Wenn du mich fragst …

Mit dem Schlusspfiff sanken nicht nur die geschlagenen Spieler von der Spielvereinigung Greuther Fürth auf den Rasen, sondern auch unsere Jungs mit dem roten Brustring. „Fußball ist keine Mathematik“, erkannte einst Ottmar Hitzfeld und liefert damit eine einfache Erklärung für den hart erkämpften Heimsieg. Verwöhnt von den bislang oft dominanten Auftritten reiben wir uns nämlich beim Blick in die Datenbank dieses Mal verwundert die Augen. Die Gäste weisen in den meisten Kategorien bessere Werte auf: 52% gewonnene Zweikämpfe, 54% Ballbesitz, 388:315 gespielte Pässe, drei Pfostentreffer. Vergangene Woche hat Sven Mislintat „das bisher schlechteste Auswärtsspiel der Saison“ gesehen, heute nehmen wir ihm die Analyse gerne ab: Das 2:0 gestern war mit Sicherheit das schwächste Heimspiel der Saison – und gleichzeitig der höchste Sieg.

Für die größte Aufregung sorgte allerdings eine andere Statistik: Bei den technischen KOs räumten die Grünhemden gleich zweimal ab, obwohl sie in der Gesamtbilanz der Fouls überraschenderweise mit 16:20 hinten lagen. Eine Kloppertruppe, sagen einige. Ein überforderter Schiedsrichter, der uns wieder einmal klar benachteiligt hat. Ich konnte das Spiel leider nicht im Stadion sehen, aber der Review in voller Länge unterstützt beide Thesen eher nicht. Ja, Sören Storks verpasste es sicherlich, in der ersten hitzigen Phase der Partie mit ein oder zwei gelben Karten für klare Verhältnisse zu sorgen. Ja, er hätte sich das Handspiel von Mavraj auf dem Bildschirm anschauen können, aber aus meiner Sicht noch kein Drama. Bis zur 71. Minute, als Paul Seguin – merkt euch den Namen fürs Rückspiel – versuchte, González mit einem Tritt das Schienbein zu zertrümmern. Lieber Herr Storks, das war so rot wie das chinesische Zentralkomitee. Trotzdem sollten wir jetzt nicht den Fehler begehen, die eigenen Schwächen mit Klagen über übermäßige Härte des Gegners und die Schiedsrichter zu übertünchen. Fürth war über 90 Minuten in der Spielanlage und der Zweikampfführung die bessere Mannschaft.

Die Analyse an der Mercedesstraße dürfte schon jetzt auf Hochtouren laufen. Statt einer stetigen Weiterentwicklung des Walterballs sehen wir erste Rückschritte und in die in den letzten Wochen zurecht gelobte Mentalität der Mannschaft schleicht sich wieder vorzeitige Selbstzufriedenheit ein. Ein 1:0 in der zweiten Minute ist nämlich alles andere als ein Ruhekissen. Wir haben zweifellos einige begnadete Fußballer im Kader, aber auch für einen Didavi, Klement, Wamangituka oder Mangala gilt: Zuerst die Arbeit und dann die Show. Die Kleeblätter werden nicht die letzte Mannschaft sein, die versucht, uns mit Härte und Pressing die Lust am Spiel zu nehmen. Der Trainer muss darauf achten, dass Laufen und Kämpfen als Basis jedes Fußballspiels wieder im Mittelpunkt stehen.  

Tim Walter war sich in der Pressekonferenz am Donnerstag sicher: „Wir müssen noch härter arbeiten, um den ersten Platz zu verteidigen. (…) Aber wir werden auch am Ende da oben stehen.“ Wer wird also Meister?

„Das können nur die Schwaben sein, die Jungs vom VfB.“

Die Kurve zelebriert bereits den Platz an der Sonne und wünscht den Franken süffisant eine schöne Heimreise:

„Darum sagen wir: Auf Wiedersehen! Die Zeit mit euch war wunderschön.“

Wer nämlich solche Spiele gewinnt – und da könnt ihr gleich nochmal den Mathematiker Hitzfeld fragen – wird am Ende Meister.

VfB – SpVgg Greuther Fürth 2:0

Mein erstes Spiel im Stadion: 1980 VfB – HSV 3:2 (Tore: Müller, Kelsch, Allgöwer) Mein schönstes Stadionerlebnis: 1991 VfB – BVB 7:0 (Allgöwer 2, Sverrisson 3, Walter 2) Meine erste Auswärtsfahrt: 1991 BVB – VfB 0:0 Emotionalster Erfolg: 1992 Deutscher Meister, letzter Spieltag B04 – VfB 1:2 (Tore: Walter, Buchwald) Lieblingsspieler: Helmut Roleder, Asgeir Sigurvinsson

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