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Sauguat gloffa

Vor dem 33. Spieltag ist die Ausgangslage beim VfB nicht vielversprechend: Hertha und damit der rettende 15. Platz vier Punkte entfernt, Bielefeld mit nur zwei Punkten Rückstand im Nacken und die Mannschaft zuletzt ohne Esprit. Wenn es dumm läuft, könnten die Schwaben am Sonntagabend auf einem direkten Abstiegsplatz stehen – und im letzten Spiel gegen den 1. FC Köln gehörig unter Druck. Doch es kommt ganz anders.

Verkehrte Welt im Schlauchboot

Was wurde vergangene Woche nicht alles spekuliert über die nicht gerade glänzende Premierensaison unter Nagelsmann, über Ibiza und den bayerischen Spannungsabfall. Am frühen Sonntagabend muss der FC Bayern wieder einmal den Spagat schaffen, einerseits so etwas wie Freude über die zehnte Meisterschaft in Serie auszustrahlen, andererseits dem Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung entgegenzutreten.

Dem Gast aus Stuttgart ist dagegen überhaupt nicht zum Feiern zumute. Zum Saisonende sind nämlich die Stärken der jungen Wilden kaum noch zu erkennen, dafür umso mehr individuelle und mannschaftliche Defizite. Rennen kann jeder, lautet entsprechend die Devise des sichtlich angespannten Cheftrainers in der Pressekonferenz vor dem Spiel. 

Matarazzo hat die linke Abwehrseite der Bayern als Schwachpunkt ausgemacht. Nach Ballgewinn sollen schnelle Gegenangriffe den Rekordmeister ins Wanken bringen. Und siehe da: Marmoush lässt Nianzou stehen und passt scharf in den Rückraum, wo Tiago Tomás direkt mit der Innenseite abnimmt. Nach acht Minuten führt der krasse Außenseiter. Auch wenn der 4:1-Auswärtssieg aus der Saison 2017/18 gefühlte Ewigkeiten her ist, weht ein Hauch von Anastasios Donis durch die Allianz Arena.

Eingeschnürt

Für die Rolle des flinken Griechen ist Omar Marmoush prädestiniert. Schade nur, dass der Leihspieler aus Wolfsburg in letzter Zeit vor dem Tor meistens die falsche Entscheidung trifft. Statt als Doppeltorschütze gefeiert zu werden, muss der ägyptische Nationalspieler zur Pause raus. Seine eigenbrötlerische Spielweise geht auch den Mannschaftskollegen langsam sichtlich auf den Zeiger.

Mitte der ersten Halbzeit schnüren die Bayern ihren Gegner ein und reißen immer wieder Lücken in die vielbeinige VfB-Abwehr. Karazor und Endo können den Rückraum nicht schließen, Führich und Sosa werden von Coman, Davies und Gnabry zum Tänzchen gebeten. Zum Pausenpfiff schwant den mitgereisten Fans Böses.

Dank der 2:1-Niederlage der Ostwestfalen am Freitagabend in Bochum beträgt der Vorsprung auf die Arminia zu diesem Zeitpunkt zwar immer noch 2 Punkte und 6 Tore, aber wenn die Schwaben nicht ins Spiel zurückfinden, könnte nach dem Selbstbewusstsein auch noch das Torverhältnis unter die Räder kommen. An den direkten Klassenerhalt glaubt da wohl keiner mehr.

Im Zeitraffer

Wir wissen nicht, was Pellegrino Matarazzo seinen Jungs in der Kabine gesagt hat. Jedenfalls kehren sie wie verwandelt auf den Platz zurück. Die Hintermannschaft formiert sich als Viererkette, Mangala verstärkt das Zentrum und vorne lauert eine Doppelspitze auf weitere Patzer der Bayern-Abwehr.

Mit Erfolg: Kalajdzic und der später für Tomás eingewechselte Förster kommen so frei vor Manuel Neuer zum Abschluss wie sonst nur auf der Playstation im Amateur-Modus. Doch sie vergeben die Chancen auf einen Auswärtssieg kläglich. Zum Glück funktioniert in der 52. Minute wenigstens die Sosa-Sasa-Kombi: Im dritten (!) Versuch erreicht die Hereingabe des kroatischen Nationalspielers den Kopf seines kongenialen Partners. Nein, das sind nicht die Saisonhighlights im Zeitraffer. Das ist live.

Ausgleich: Sasa Kaljdzic trifft in München für den VfB Stuttgart.
Sosa – Sasa – Tor: Klappt sogar gegen die Bayern. (Foto: IMAGO / ActionPictures)

Hochspannend wogt die Partie in dieser Phase hin und her. Keinem der Akteure im roten Brustring kann man vorwerfen, nicht alles gegeben zu haben. Andererseits spiegeln die Einwechslungen die Probleme des VfB über die ganze Saison wider: Coulibaly, Förster und Thommy kämpfen zwar um jeden Ball, strahlen aber nicht die geringste Torgefahr aus. So muss Florian Müller in der 76. Minute einen Lewandowski-Schuss heldenhaft an die Latte lenken, um einen Punkt zu retten. Er könnte am Ende entscheidend sein.

Showdown

Vor dem letzten Spieltag ergibt sich nämlich plötzlich die Chance auf ein Happy-End, das wir nicht mehr für möglich gehalten hätten. Der VfB kann mit einem Sieg gegen Köln den direkten Klassenerhalt sichern, falls der BVB sein Heimspiel gegen Hertha gewinnt. Tausend Dank an dieser Stelle an engagierte Bochumer und Mainzer, die diese Konstellation erst möglich gemacht haben. Für den Showdown am kommenden Samstag wünschen sich alle VfB-Fans jetzt ganz fest: Nicht schon wieder Anthony Modeste!

FC Bayern München – VfB Stuttgart 2:2

Zum Weiterlesen:

Es ist noch nichts erreicht – Vertikalpass

Wer nicht an Wunder glaubt… – Rund um den Brustring

VertikalGIF #FCBVfB: Das Sensatiönle – Vertikalpass

Mein erstes Spiel im Stadion: 1980 VfB – HSV 3:2 (Tore: Müller, Kelsch, Allgöwer) Mein schönstes Stadionerlebnis: 1991 VfB – BVB 7:0 (Allgöwer 2, Sverrisson 3, Walter 2) Meine erste Auswärtsfahrt: 1991 BVB – VfB 0:0 Emotionalster Erfolg: 1992 Deutscher Meister, letzter Spieltag B04 – VfB 1:2 (Tore: Walter, Buchwald) Lieblingsspieler: Helmut Roleder, Asgeir Sigurvinsson

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