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Eine echte Mannschaft

Aus dem Hintergrund müsste Endo schießen, Endo schießt, Tooor, Tor für den VfB. Wenn wir uns einen Abschluss für diese Saison malen könnten, sähe er genau so aus. Unser Bodyguard, Taktgeber, Mundschutz-Influencer und vierfacher Familienvater zirkelt den Ball aus achtzehn Metern in einer formvollendeten Flugkurve ins Netz und krönt damit seine erste Bundesligasaison. Und was für eine! Die Jubeltraube zeigt zum einen den Stellenwert, den der 28-jährige Japaner innerhalb der Mannschaft hat, zum anderen, dass endlich wieder ein echtes Team im Brustring auf dem Platz steht.

Bild: Pressefoto Baumann

Sieben auf einen Streich

Wir erinnern uns an den Punktelieferanten namens VfB, der sich selbst in der zweiten Liga auf fremdem Platz unglaublich schwer tat. Wir haben den 0:3-Rückstand im ersten Saisonspiel gegen den SC Freiburg nicht vergessen, als die junge Mannschaft in der Bundesliga erstes Lehrgeld bezahlte. Doch dann begann die VfB-Auswärts-Tour 2020/21: Mainz, Hertha, Bremen, Dortmund, Augsburg, Köln, Mönchengladbach. Seit dem tapferen Schneiderlein haben wir nicht mehr so gestaunt.

Damit steht der VfB unter den Top 5 in der Auswärtstabelle. Nicht auszudenken, was in den Auswärtsblöcken los gewesen wäre. Es gibt wenige Stadien, in denen wir unsere Triumphgesänge so gerne anstimmen wie im Borussia-Park. Traumtor geschossen, Spiel gedreht, Ergebnis über die Zeit gebracht, Rudelbildung – humba humba humba tätärää.

Entwicklungsschritte

Während das erste Saisondrittel von rasantem Umschaltfußball geprägt war, hat Matarazzo seiner Mannschaft in der Rückrunde Sachlichkeit beigebracht. Mit acht geschossenen Toren weniger holte man schon vor dem Saisonausklang gegen Bielefeld einen Punkt mehr als in der Hinrunde. Effizienz und Positionsspiel heißen jetzt die Trümpfe – und natürlich Sasa Kalajdzic. Elf Tore und zwei Vorlagen stehen für den sympathischen Österreicher alleine in der zweiten Saisonhälfte zu Buche.

Wenn die VfB-Saisonspende dieses Mal über 10 000 Euro steigt, liegt das nicht zuletzt an unserer Torgiraffe. Manche geben bei jedem Sasa-Treffer von Herzen gern einen Betrag für den guten Zweck, andere würden das Sparschwein auch bei den Interviews des Wiener Burschen befüllen. Im Profifußball brauchst du Tore und Punkte, aber ohne Identifikation und echte Emotionen reißt du kaum einen mit. Sollte uns Kalajdzic im Sommer verlassen, würde nicht zuletzt die Merchandise-Abteilung Krokodilstränen weinen.

11 Freunde müsst ihr sein

Ich will euch nicht mit Heini Kamke kommen, aber wenn der Sieg in Gladbach etwas zeigt, dann die Kraft eines funktionierenden Teams. Obwohl es um nichts mehr ging, bäumte sich die Mannschaft gegen die drohende Niederlage auf. Die ehrliche Freude für den Mitspieler nach den beiden Toren unterstreicht den Spirit, den Matarazzo, sein Trainerteam und die sportliche Führung eingepflanzt haben. Talent hin oder her, wenn die Gruppe nicht zusammensteht, wirst du nichts erreichen. Nirgendwo müsste man das besser wissen als beim VfB.

Bis in den Aufsichtsrat ist diese Erkenntnis freilich noch nicht durchgedrungen. Der stellvertretende Vorsitzende des Kontrollgremiums bewies zuletzt in einem Interview einmal mehr, dass er von Teamgeist und Zusammenhalt gar nichts versteht. Wäre er ein Spieler, hätte ihn Sven Mislintat schon längst nach Karlsruhe verkauft.

Borussia Mönchengladbach – VfB 1:2

Mein erstes Spiel im Stadion: 1980 VfB – HSV 3:2 (Tore: Müller, Kelsch, Allgöwer) Mein schönstes Stadionerlebnis: 1991 VfB – BVB 7:0 (Allgöwer 2, Sverrisson 3, Walter 2) Meine erste Auswärtsfahrt: 1991 BVB – VfB 0:0 Emotionalster Erfolg: 1992 Deutscher Meister, letzter Spieltag B04 – VfB 1:2 (Tore: Walter, Buchwald) Lieblingsspieler: Helmut Roleder, Asgeir Sigurvinsson

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