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Der dunkelrote Tisch

Mit ein paar Twitterern und Mitgliedern des neugegründeten OFC Achtzehnhundertdreiundneunzig war ich am Montag, den 14.10.2019 in der Gaststätte Schlachthof in Stuttgart-Wangen beim Dunkelroten Tisch.

Die Gaststätte war gut besucht, freie Plätze waren rar, es roch gegen später wie in einem Puma- Jako-Käfig. Neben den vielen VfB Fans waren vor Ort:

  • Der Vereinsbeirat, u.a. Wolf-Dietrich Erhard und Rainer Weninger
  • Das Präsidium des Vereins in Form von Dr. Bernd Gaiser
  • Beide Präsidiumsbewerber (Gass und Mutschler)
  • Oliver Schraft als Mitglied der Geschäftsleitung
  • Sportdirektor Sven Mislintat als Überraschungsgast

Der Beginn

Die Begrüßung fiel sehr umfangreich aus und es wurden alle Offiziellen des VfB ausführlich vorgestellt. Die Gäste bestellten teilweise ihr Essen und gönnten sich ein freies erstes Getränk auf Kosten des VfB.

Auch Sven Mislintat hielt direkt am Anfang eine kleine Rede, bezug nehmend auf die sportlichen Ziele, die man hat und wie man diese erreichen will. Besonders den „ungeduldigen Fans“ möchte er mehr Geduld raten ob der noch garantiert kommenden Rückschläge und Niederlagen.

Bei der kurzen Fragerunde danach kam auch ein „ungeduldiger Fan“ zu Wort und fragte direkt, wie „man verhindern kann, dass wieder so eine erste Halbzeit wie gegen Wiesbaden“ gespielt wurde und dass man sich überlegen sollte, ob „der Trainer noch der Richtige sei“.

Was haben wir gelacht! Das war ein erfreulicher Einstieg in die lockere Runde, in der man direkt mit den Verantwortlichen – die schön verteilt an den Tischen saßen – bei einem Bierchen ins Gespräch kommen konnte.

Mit Oliver Schraft hatten wir einen recht interessanten Mann bei uns sitzen, doch wurde dieser von dem interessantesten Verantwortlichen erstmal in den Schatten gestellt, der sich direkt zu uns gesellte.

Sven Mislintat

Der Sportdirektor Sven „Diamantauge“ Mislintat himself machte seinen Gesprächseinstand an unserem Tisch. Nachdem Fanboy Riky vor Aufregung erstmal aufs Klo musste, war erfreulicherweise ein Platz für den Dude direkt mitten zwischen uns frei.

Videoanalyse

Beim Thema Videoanalyse und wie Sven Mislintat denn Spiele anschaue, fühlte man seine ganze Erfahrung und Leidenschaft in dem Bereich.

Spielanalysen schaut man „natürlich“ ohne Kommentator, da dieser das Spiel verfälsche. Klar kann man dann auch nicht mehr auf die taktischen Finessen achten, wenn man sich über den Idioten am Mikrofon beschweren muss.

Es gibt 3 verschiedene Fokusse, ein Spiel zu analysieren:

  1. Gegner-Analyse
  2. Man schaut auf das eigene Spiel (Taktik)
  3. Beobachtung eines speziellen Spielers

Unterschiede einer Spielerfahrung gibt es für Sven Mislintat natürlich auch von der Position her. Während man auf der Ersatzbank sehr auf die Stimmung und die Kommandos der Trainer achtet, hat man auf der Tribüne einen besseren Überblick auf die Taktik, die offenen Räume, das Stellungsspiel und kann eine Fehleranalyse deutlich einfacher machen.

Schlußendlich muss man die Vorgaben des Trainers kennen, um eine gute Analyse machen zu können.

Atakan Karazor

Angesprochen auf die ganze Kritik, die auf Ata eingedroschen wurde seitens Fans und Medien, hatte Sven Mislintat auch sehr deutliche Worte gefunden. Denn Atakan macht von den Trainer-Vorgaben und den Statistiken her einen super Job.

Die 6er Position ist im System Walter eine sehr schwierige Aufgabe, bei der Fehler fast direkt bestraft werden.
Auch die Möglichkeit von Vertikalpässen bei tiefstehenden Gegner ist natürlich nicht gegeben, denn das wäre ein direkter Ballverlust. Querpässe können das Spiel breiter machen und dementsprechend Lücken für Vorstösse öffnen.

Flanken

Ob Flanken ein probates Mittel wären, wurde Sven Mislintat gefragt. Aussage: „Wenn die Flanken reingehen, klar!“

Natürlich kommt es stark auf den Gegner an, ob Flanken sinnvoll sind. Zusätzlich braucht man auch Spieler, die Flanken schlagen und annehmen können. In dem Bezug wurden allem voran Sosa und Insua genannt, die die linke Linie beackern und genau das machen, was von ihnen gefordert wird.
Anders hingegen der Rechtsverteidiger Pascal Stenzel, der diagonal läuft, um u.a. im Mittelfeld Überzahlsituationen zu schaffen.
Spieler, die die Flanken verwerten können, sind auch im Kader vorhanden. Mit Al Ghaddioui und Gomez hat man „Kopfballungeheuer“, mit Förster einen, der das auch technisch lösen kann.

Die jungen Spieler

Sven Mislintat lobte besonders die jungen Spieler, die nahe am Kader wären und durch ihre Leichtigkeit und technischen Fähigkeiten noch ein Wort im Laufe der Saison mitreden können.

Genannt wurden hier besonders Tanguy Coulibaly und Roberto Massimo, die sehr nahe am Kader sind und Letzterer mit dem jüngsten Einsatz einen Startelf-Einsatz schon quasi gefordert hat.

Oliver Schraft

VfBTV

Nachdem Sven Mislintat den Tisch gewechselt hatte, kamen wir mit Oliver Schraft ins Gespräch. Es ging erst um den hauseigenen Dienst VfBTV.
Wir bemängelten die Qualität von 720p, die heutzutage einfach nicht mehr zeitgemäß ist, außerdem der Mangel an kompletten Spielen der zweiten Mannschaft und die Spiele ohne Kommentar anhören zu können.

Schraft notierte sich diese Dinge und machte klar, dass eigentlich schon länger Änderungen am Videodienst anstehen würden, diese aber durch den Abstieg verschoben wurden. Nächstes Jahr soll ein neuer Anlauf gestartet werden.

Zeichen gegen Homophobie

Später ging es um die Frage, wie und ob der Verein bei Angriffen auf Sportvorstand Thomas Hitzlsperger reagieren soll. Im Detail ging es um den veränderten Wikipedia-Eintrag, der mit homophoben Sprüchen versetzt wurde.
Wir hatten vom Verein gefordert, generell mehr Statements zu setzen gegen Homophobie und auch gegen Rassismus. Immer nur zu reagieren oder medienwirksam ein Zeichen zu setzen, ist zu wenig oder gar die falsche Richtung.
Ein Vorschlag, doch in regenbogenfarbigen Binden aufzutreten, ohne jegliche Ankündigung und Medientrommel, würde den Verein in deutlich besserem Licht dastehen lassen als eine Reaktion oder Ankündigung.

Rainer Weninger und der Abschluss

Zum Ende der Veranstaltung hatten wir noch die Möglichkeit, mit dem Vereinsbeirat Rainer Weninger über verschiedene Dinge wie der Außendarstellung des Vereins rund um die Mitgliederversammlung und dem Interview von Wolfgang Dietrich zu reden.

Weninger beteuerte, dass der Verein in Form des Vereinsbeirats nie den Rat des geschassten Ex-Präsiendenten suchen würde. Dieses Kapitel ist vorbei, man habe sich nur „zufällig mal am Weindorf getroffen und die üblichen Höflichkeitsfloskeln ausgetauscht“.

Eine interessante Sache haben wir noch erfahren. Der jetzige Präsidentschaftskandidat Rainer Mutschler gemeinsam mit dem damaligen Präsidenten Bernd Wahler gegen viele Widerstände innerhalb des Vereins diese Dialog-Veranstaltungen erst ins Leben gerufen haben.

Weninger macht übrigens einen sehr positiven und ehrlichen Eindruck. Wir sollten froh sein, dass wir einen so angenehmen Menschen im Vereinsbeirat sitzen haben.

Fazit

Nichts geht ohne Fazit, aber es bleibt kurz. Der dunkelrote Tisch ist eine willkommene Annäherung des Vereins an den Fan. Man wurde gehört, es wurden Notizen gemacht. Doch wichtig ist es, dass es nicht im Sande verläuft und umgesetzt wird bzw. Feedback geben sollte.

Zuhören ist Silber, Machen ist Gold.

VfB Fan seit Ewigkeiten, Mitglied seit 2005, DK-Inhaber seit 2011. Initiator der VfB #Saisonspende

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