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Agent Auswärtssieg

Ob in Regensburg, Bielefeld, Hamburg oder Bochum, Ali G. entscheidet gerne Auswärtsspiele in der Schlussphase. Mit sechs Toren und zwei Vorlagen führt der Deutsch-Marokkaner die interne Scorerliste an, obwohl er nur gut ein Drittel der Spielzeit überhaupt auf dem Platz stand. Was einerseits seine Torjägerqualitäten unterstreicht, steht andererseits sinnbildlich für die Probleme des VfB auf dem Weg zurück in die Bundesliga.  

Ein dreckiges 1:0 …

… kann Knoten lösen und einen Schub geben. Ob der Sieg in Bochum eine solche Wirkung entfaltet, wird auch davon abhängen, wie man dieses Spiel intern aufarbeitet. In der zweiten Halbzeit, als das Spiel auf des Messers Schneide stand, war von einer Überlegenheit des Aufstiegsfavoriten und Ligakrösus nichts (mehr) zu sehen. Die drei Punkte verdanken wir letzten Endes einem Lucky Punch wie er im Buche steht. Nur dem Defensivverbund um die starken Karazor und Endo sowie den mit zunehmender Spielzeit immer sicherer werdenden Phillips kann man eine überzeugende Leistung bescheinigen. Angefangen von den Außenpositionen über das offensive Mittelfeld bis in die Sturmspitze gibt es viele Ansatzpunkte für eine intensive Nachbereitung. In den zwölf noch ausstehenden Spielen werden Gegner kommen, die mit der gleichen Leidenschaft kämpfen, aber offensiv deutlich mehr Gefahr entwickeln. Wir können aus Bochum mitnehmen, dass eine klare Steigerung nötig sein wird, um direkt aufzusteigen.

Die Legende von der Qualität

Außenstehende stellen unserer Mannschaft gerne das höchste Qualitätssiegel aus. Dabei beziehen sie sich meistens auf Erfolge der Spieler in der Vergangenheit oder auf das Entwicklungspotenzial in der Zukunft. Wenn man allerdings den gegenwärtigen Leistungsstand nüchtern betrachtet, ist die Mannschaft auf einigen Positionen ein Stück von der Ligaspitze entfernt. Gegen die aggressiven Außenverteidiger Soares und Gamboa konnte man erkennen, dass sowohl Massimo als auch Silas in den entscheidenden Situationen oft Durchsetzungsvermögen und Übersicht fehlen. Mangala kann bei aller Veranlagung, die er zweifellos besitzt, dem Spiel noch keinen Rhythmus geben und bei Förster sind immer wieder individualtaktische Defizite zu erkennen, die nicht in ein paar Trainingseinheiten zu beheben sind. Die blutleeren Auftritte von Gomez und Castro machen auch nicht unbedingt Hoffnung darauf, dass uns die beiden zum Aufstieg führen werden. Wir tun also gut daran, uns an einem Spieler wie Wataru Endo zu orientieren. Aus der belgischen Liga ohne große Erwartungen ausgeliehen zeigt der japanische Nationalspieler Woche für Woche, was erfolgreichen Zweitligafußball ausmacht: Zweikämpfe gewinnen und bis zum Abpfiff alles geben.        

Der Dreikampf an der Spitze

Die letzten Auftritte der beiden schärfsten Konkurrenten lassen vermuten, dass sich der VfB an der Marke von 68 Punkten orientieren muss, die seit Einführung der 3-Punkte-Regel immer zum direkten Aufstieg gereicht haben. In den verbleibenden 12 Spielen müsste man dafür 27 Punkte holen, was einem Schnitt von 2,25 Punkten pro Spiel oder 9 Siegen entspricht. Irgendwie erinnern mich diese Zahlenspiele an die vergangene Saison, als wir verzweifelt ausrechneten, ob wir den FCA noch vom 15. Platz verdrängen können. Ihr wisst was folgte: ein 0:6-Debakel ausgerechnet in Augsburg an einem der schwärzesten Nachmittage der jüngeren Vereinsgeschichte. Legen wir also den Taschenrechner weg und schauen auf den Spielplan: Regensburg (H), Fürth (A), Bielefeld (H). Unangenehm, fies, vorentscheidend. Es bleibt wenig Zeit, sich über den ersten Auswärtsdreier seit September zu freuen. Die Arbeit ruft.

Matchwinner

Die Presse feiert zurecht den Joker. Hamadi, du Agent Auswärtssieg! Nicht vergessen sollte man jedoch die „hidden matchwinners“: Endo ließ die Fußballdatenbanken neue Highscores ausspucken. Wataru, du Mr. Perfect! Kobel rettete die Mannschaft in der Nachspielzeit mit einem Ralf-Zumdick-Gedächtnis-Hecht. Greg, du Katze! Phillips stellte im Verbund mit Karazor den gegnerischen Toptorschützen dermaßen kalt, dass Ganvoula nur noch nach Hause wollte. Nat und Ata, ihr Zerstörer!

VfL Bochum – VfB 0:1

Mein erstes Spiel im Stadion: 1980 VfB – HSV 3:2 (Tore: Müller, Kelsch, Allgöwer) Mein schönstes Stadionerlebnis: 1991 VfB – BVB 7:0 (Allgöwer 2, Sverrisson 3, Walter 2) Meine erste Auswärtsfahrt: 1991 BVB – VfB 0:0 Emotionalster Erfolg: 1992 Deutscher Meister, letzter Spieltag B04 – VfB 1:2 (Tore: Walter, Buchwald) Lieblingsspieler: Helmut Roleder, Asgeir Sigurvinsson

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