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Zähe Nullnummer

Leidenschaft, Currywurst und Fiege-Bier. Es gibt wenige Auswärtsfahrten, die den Fußballkalender so aufwerten wie die Reise an die Castroper Straße. Am Ende spiegelt die Stimmung im Auswärtsblock jedoch den Auftritt der Mannschaft wieder: viel vorgenommen – wenig geglückt. Was bleibt ist ein mageres Pünktchen als Proviant für die fünfstündige Heimfahrt.

Erfolglose Rochaden

Nachdem Pellegrino Matarazzo gegen Leverkusen mit Orel Mangala in ungewohnt offensiver Position und Hiroki Ito im Zentrum der Dreierkette experimentiert hat, versucht er es beim Aufsteiger überraschenderweise mit einem 4-3-3. Coulibaly über Rechts, Marmoush über Links und Klimovicz aus dem Mittelfeld sollen Al Ghaddioui in der Spitze unterstützen. Karazor rückt für den zuletzt nicht überzeugenden Kempf in die Innenverteidigung.

Was der Trainer auch immer vorgegeben haben mag, seine Spieler können sich kaum aus dem Angriffspressing der Hausherren befreien. Nach Leipzig, Freiburg und Leverkusen laufen auch die Bochumer hoch an und provozieren dadurch einen Ballverlust nach dem anderen. In der gegnerischen Hälfte können die Jungs aus Cannstatt erst recht keine Bälle festmachen. Nur der Harmlosigkeit des Tabellenvorletzten und einem gut aufgelegten Florian Müller verdankt der VfB das schmeichelhafte 0:0 nach 45 Minuten.   

Aktivposten Führich

Zwei Wechsel zur Halbzeitpause sind bei Matarazzo ein untrügliches Zeichen dafür, dass er mit der Leistung nicht einverstanden ist. Thommy und Führich ersetzen die wirkungslosen Klimovicz und Al Ghaddioui. Vor allem der Neuzugang aus Paderborn sorgt dann tatsächlich auch für frischen Wind: Dynamisch, schwer vom Ball zu trennen und mit guter Übersicht ist der 23-Jährige aus dem benachbarten Castrop-Rauxel an fast allen gefährlichen Situationen vor dem Bochumer Kasten beteiligt.

Viele davon gibt es freilich nicht. Da die Schützlinge des ehemaligen VfB-Nachwuchsspielers Thomas Reis ihre Gegenstöße aber viel zu schlampig ausspielen, trennen sich beide Mannschaften am Ende torlos. Seien wir ehrlich: Einen Sieger hat die Partie auch nicht verdient.

Schwere See voraus

Die analytische Klarheit der sportlichen Führung und der Sympathie-Bonus aus der vergangenen Spielzeit haben bislang dafür gesorgt, dass die meisten VfB-Fans ruhig geblieben sind. Die einhellige Meinung: Es gibt genügend Mannschaften, die wir hinter uns lassen werden.

Grundsätzlich gilt diese Einschätzung auch noch nach dem erneut enttäuschenden Auftritt der Matarazzo-Elf in Bochum. Andererseits ist jetzt jedem klar, dass man sich nicht zu sicher fühlen darf. Offensive Harmlosigkeit gepaart mit defensiver Schlafmützigkeit sind die Zutaten, aus denen Abstiegssorgen gemacht sind. Wer wüsste das besser als wir VfB-Fans?  

Nach der Woche der klaren Worte ist es an der Zeit, dass der Trainer die offensiven Abläufe verfeinert und die jeweils beste Position für seine Spieler findet. Bei einigen steht zu befürchten, dass sie sich am Ende dieses Prozesses auf der Ersatzbank wiederfinden. In der Bundesliga sollte man nämlich erfahrungsgemäß nicht zu spät anfangen zu punkten. Dazu braucht man Spieler, die nicht nur im Training ihre Leistung bringen.

Plastik statt Romantik

Kommende Woche dürfte es im Stadion weniger stimmungsvoll werden, denn der aufgeblasene Dorfklub aus Sinsheim kommt mit der Empfehlung eines überraschenden 3:1-Siegs gegen Wolfsburg ins Neckarstadion. Neben dem Platz wird es da wenig Spektakuläres geben – eine gute Gelegenheit also für die Brustringträger, mal wieder auf dem Rasen für Furore zu sorgen.  

VfL Bochum – VfB 0:0

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Vorerst Abstiegskampf – Rund um den Brustring

Mein erstes Spiel im Stadion: 1980 VfB – HSV 3:2 (Tore: Müller, Kelsch, Allgöwer) Mein schönstes Stadionerlebnis: 1991 VfB – BVB 7:0 (Allgöwer 2, Sverrisson 3, Walter 2) Meine erste Auswärtsfahrt: 1991 BVB – VfB 0:0 Emotionalster Erfolg: 1992 Deutscher Meister, letzter Spieltag B04 – VfB 1:2 (Tore: Walter, Buchwald) Lieblingsspieler: Helmut Roleder, Asgeir Sigurvinsson

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