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Weiß-rote EM-Bilanz

Anton und Rüdiger schauen zu, wie Merino zum entscheidenden 2:1 einköpft. (Foto: Bernd Feil/M.i.S./Imago)

Für Fußball-Feinschmecker ist der Siegtreffer der Spanier in der 119. Spielminute eine Delikatesse: Cucurella verschafft Olmo mit seiner Dynamik viel Raum auf der linken Seite, dessen Flanke segelt präzise in den deutschen Strafraum, wo Merino mit einem Kopfstoß aus dem Lehrbuch abschließt. Über das Ausscheiden gegen einen solchen Gegner muss sich die deutsche Mannschaft nicht grämen.

Schon gar nicht, wenn man Mittelstädt, Undav oder Führich heißt. Alle drei haben allein durch die Nominierung für den EM-Kader mehr erreicht, als sie vor der Saison zu träumen gewagt hätten. Und die nächste große Herausforderung wartet bereits: Champions-League mit dem VfB. Oder?

Mehr Fußball wagen

Mit Frankreich, England und den Niederlanden haben drei Mannschaften das Halbfinale erreicht, deren Fußball bedenkenlos als Schlafmittel verschrieben werden könnte. Deschamps lässt im Viertelfinale nur drei offensiv ausgerichtete Spieler auflaufen, Southgates Engländer entdecken nach Rückstand für eine Viertelstunde das Angriffsspiel, bevor sie zur Verlängerung wieder zu Schlafwagenfußball übergehen. Bei Koeman ist von „Voetbal totaal“ nichts zu sehen, dafür benötigt Oranje zum wiederholten Male die Brechstange Weghorst, um torgefährlich zu werden.

Eine wohltuende Ausnahme stellt Spanien dar. Dass die „Furia Roja“ Kurzpassspiel und Ballbesitzfußball beherrscht, ist keine Überraschung. Neuerdings kommen aber auch noch Flügel- und Umschaltspiel dazu. De la Fuente hat den spanischen Stil mit neuen Elementen angereichert und dadurch schwerer ausrechenbar gemacht. Im Sinne des Fußballs bleibt zu hoffen, dass sich die offensive Spielweise am Ende durchsetzt.

Wer hat Bock auf den VfB?

Die Bundesliga haben in der vergangenen Saison zwei Trainer geprägt, die dominanten Ballbesitzfußball propagieren. Der Tuchel-Coup und der destruktive Ansatz des BVB sind dagegen gescheitert. Ab Ende August werden die Platzhirsche aus München und Dortmund versuchen, die alte Hierarchie wiederherzustellen.

Dabei sollen auch drei ehemalige VfB-Spieler mithelfen. Nach Itos Transfer zu den Bayern haben auch Anton und Guirassy ihren Wechselwunsch kundgetan. Die neu aufgestellte sportliche Führung der Schwarz-Gelben hat eine groß angelegte Transferoffensive gestartet – sponsered by Rheinmetall. Um Diamanten geht es da schon lange nicht mehr.

Die Neu-Nationalspieler Mittelstädt und Undav wollen dagegen in Stuttgart bleiben. Gemeinsam mit Nübel, Karazor und Stiller gehören sie zu der Achse, auf die man beim VfB in der kommenden Saison setzt. Ob Führich noch Bock auf Bad Cannstatt hat, wird sich zeigen. Nach seiner ersten überzeugenden Saison im Brustring fühlt sich der Flügelspieler anscheinend schon zu Höherem berufen.

Oben bleiben ist schwierig

Sebastian Hoeneß wird ähnlich wie im letzten Sommer ein neues Team formen müssen. Anton und Guirassy hinterlassen als angesehene Führungsspieler auch eine gewaltige hierarchische Lücke. Diese muss zusätzlich zu der sportlichen gefüllt werden. Zusammenhalt und Teamgeist waren sicher entscheidende Faktoren für die überraschende Vizemeisterschaft.

Weder den Rekonvaleszenten Zagadou noch Neuzugang Chabot sollte man auf Anhieb mit der Rolle des Abwehrchefs überfordern. Und unabhängig von dem Vertragspoker um Deniz Undav muss sich die sportliche Leitung nach einem Stürmer umschauen, der fußballerisch die Guirassy-Rolle einnehmen kann.

Für den VfB insgesamt gilt die Regel, dass es schwieriger ist, an der Spitze zu bleiben, als sie zu erklimmen. Wahrscheinlich sollte man lieber kleinere Brötchen backen. Von den Reaktionen auf das deutsche Viertelfinal-Aus kann man lernen, dass die Anhänger vieles verzeihen, solange ihre Mannschaft alles in die Waagschale wirft.

Mein erstes Spiel im Stadion: 1980 VfB – HSV 3:2 (Tore: Müller, Kelsch, Allgöwer) Mein schönstes Stadionerlebnis: 1991 VfB – BVB 7:0 (Allgöwer 2, Sverrisson 3, Walter 2) Meine erste Auswärtsfahrt: 1991 BVB – VfB 0:0 Emotionalster Erfolg: 1992 Deutscher Meister, letzter Spieltag B04 – VfB 1:2 (Tore: Walter, Buchwald) Lieblingsspieler: Helmut Roleder, Asgeir Sigurvinsson

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