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Stets bemüht

Man kann Pellegrino Matarazzo wirklich nicht vorwerfen, er habe keine Fantasie. Sosa auf rechts, Nartey auf links und Massimo als Sturmspitze. Ob er damit das Optimum aus dem stark dezimierten Kader geholt hat, der ihm am Samstagnachmittag zur Verfügung stand? Wie dem auch sei, es ist auf diesem Niveau einfach nicht genug. Nach Augsburg verliert der VfB das nächste Duell gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf völlig verdient.

Foto: Getty Images

Mach dich warm, Matej

Die Mannschaft stellt sich von alleine auf. Was wie eine abgedroschene Floskel klingt, ist für den VfB-Trainer am Samstag bittere Realität. Zu allem Überfluss haben sich kurzfristig auch noch Hamadi Al Ghaddioui (Erkältung) und Naouhirou Ahamada (Probleme an der Achillessehne) abgemeldet. Auf den ersten Blick liest sich die Aufstellung wie ein 3-6-1. Vier gelernte Sechser und nur ein nominell offensiver Spieler stehen auf dem Spielberichtsbogen.

Eine solche Rumpfelf würde man noch nicht einmal zum Jako-Freundschaftskick schicken. Und so kommt es, wie es schon vergangene Woche kam: Die Arminia aus Bielefeld erringt mit ihrem wackelnden Trainer den ersten Saisonsieg. Die Personalnot deckt die Schwachstellen im VfB-Kader umbarmherzig auf.

Vor allem im Sturmzentrum ist der VfB qualitativ nicht ausreichend besetzt. Roberto Massimo und Daniel Didavi mühen sich zwar nach Kräften, bringen die gegnerische Hintermannschaft aber kaum einmal in Verlegenheit. Am Ende soll es dann der Regionalliga-Hüne Matej Maglica mit der Brechstange richten.

Nicht ganz überraschend ist Sasa Kalajdzic der einzige zentrale Angreifer im Kader, dem man stabiles Bundesliganiveau unterstellen kann, so er denn seine Form aus der Vorsaison wiederfindet. Die schwere Verletzung von Mohamed Sankoh darf hier nicht als Ausrede herhalten. Der niederländische Wunderknabe war zwar ein Alptraum für jede Regionalliga-Abwehr, aber wer einen Beyaz oder Faghir beobachtet, darf nicht davon ausgehen, dass uns der Junge zum Klassenerhalt geschossen hätte.

Top, die Wette gilt

Schon während des Spiels wirkt es, als hätten einige Beobachter nur darauf gewartet, ihre Kassandrarufe anzustimmen. Die Sorgen sind allerdings nicht ganz unberechigt. Nach zwei schmerzhaften Niederlagen gegen direkte Konkurrenten müssen die Verantwortlichen die Länderspielpause jetzt nutzen, um einige Verletzte wieder einzugliedern und die Mannschaft auf den Abstiegskampf einzuschwören.

Mislintat betont zwar, man befinde sich seit dem ersten Spieltag in Selbigem, allerdings sieht man das dem Spiel der Mannschaft nicht immer an. Wataru Endo wurde vor der Saison mit der Begründung zum Kapitän ernannt, er gebe anderen Spielern Raum, in Führungsverantwortung hineinzuwachsen. Dafür wird es jetzt höchste Zeit. Anton, Mangala und Sosa gehören zu den Kandidaten. Sie dürfen in einer solchen Phase nicht nur mitschwimmen, sondern müssen ihre verunsicherten Nebenleute stützen.

Bei den zahlreichen Entwicklungsspielern im VfB-Kader wird sich in den kommenden Wochen zeigen, wer mental und fußballerisch für den Abstiegskampf bereit ist. Selten war es so leicht, in den Bundesligakader zu rücken. Jeder Einsatz auf diesem Niveau stellt für einen Nachwuchsspieler eine Riesenchance dar, sich zu zeigen. Die sportliche Führung hat wie schon in der vergangenen Saison auf die Entwicklung der Talente gesetzt – eine Wette, die bisher noch nicht aufgegangen ist.

Bloß keine Nostalgie

Was die gut 30 000 Zuschauer gegen die Arminia zu sehen bekommen, ist ein intensives Fußballspiel auf Zweitliganiveau. Das klingt zunächst nach einem vernichtenden Urteil, erscheint manchem Fußballfan jedoch eher als Verheißung. Der Klassiker Nürnberg – Schalke oder das Nord-Derby HSV gegen Werder elektrisieren nämlich deutlich mehr als SAP gegen VW.

Der Weg des VfB sieht freilich keine Nostalgie vor, sondern den nachhaltigen Aufbau einer Mannschaft, die in der Bundesliga mithalten kann. Wie ambitioniert dieses Projekt ist, haben wir am Samstag wieder erlebt.   

VfB – DSC Arminia Bielefeld 0:1

Zum Weiterlesen:

VertikalGIF #VfBDSC: Return of the Aufbaugegner – Vertikalpass

Unangenehm – Rund um den Brustring

Mein erstes Spiel im Stadion: 1980 VfB – HSV 3:2 (Tore: Müller, Kelsch, Allgöwer) Mein schönstes Stadionerlebnis: 1991 VfB – BVB 7:0 (Allgöwer 2, Sverrisson 3, Walter 2) Meine erste Auswärtsfahrt: 1991 BVB – VfB 0:0 Emotionalster Erfolg: 1992 Deutscher Meister, letzter Spieltag B04 – VfB 1:2 (Tore: Walter, Buchwald) Lieblingsspieler: Helmut Roleder, Asgeir Sigurvinsson

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