Cannstatter Schlussspurt

Eigentlich ist das Momentum auf Seiten der Gäste aus Köln, als der eingewechselte Stiller an der linken Seitenlinie den ebenfalls eingewechselten El Khannous anspielt. Danach folgt ein Dreiklang, der die derzeitigen Stärken des VfB unterstreicht: Hackentrick, Traumflanke, Direktabnahme. Solche Spiele haben die Schwaben früher häufig verloren, doch gerade in der Schlussphase vor der Cannstatter Kurve scheint das Selbstvertrauen gerade grenzenlos.
Gekippt
Schon in der 2. Minute hat Undav die Chance, das Spiel auf die Seite der Heimelf zu ziehen. Die Stuttgarter Nummer 9 steht nach einer unpräzisen Spieleröffnung des Kölner Keepers plötzlich glockenfrei vor Schwäbe – und vergibt. In der 15. Minute ist es dann so weit: Führich schlägt einen langen Ball an den zweiten Pfosten, Leweling legt per Kopf ab und Demirovic vollendet zum 1:0. Der VfB tritt entschlossener auf als zuletzt am Millerntor und scheint zunächst alles im Griff zu haben.
Noch vor der Pause kommt die Kwasniok-Elf besser ins Spiel und sorgt für brenzlige Szenen vor dem Stuttgarter Tor. Nach Wiederanpfiff setzen sich die Kölner immer öfter in den Zweikämpfen durch und erarbeiten sich ein Übergewicht. In der 68. Minute setzt der Gästetrainer dann ein bemerkenswertes Zeichen. Für die beiden Innenverteidiger kommen Waldschmidt und El Mala aufs Feld. Dass Ache elf Minuten später den Ausgleich erzielt, ist dem Spielverlauf nach hochverdient.
Der VfB schlägt zurück
Auf einmal liegt sogar die zweite Heimniederlage im Bereich des Möglichen. Hoeneß spürt, dass er etwas verändern muss, und bringt Stiller und Tomas. Obwohl nur noch zehn Minuten auf der Uhr sind, glaubt das Stadion fest daran, dass ihre Mannschaft zurückschlagen kann. Die späten Tore gegen YB und Freiburg haben den Glauben an späte Tore vor der Cannstatter Kurve zementiert.
In der Schlussphase zeigt der VfB, was ihn in dieser Saison von einem Aufsteiger wie dem 1. FC Köln unterscheidet: der breite Kader, das gewachsene Selbstvertrauen und das spielerische Potenzial. In seinem 100. Spiel im Brustring hat sogar Deniz Undav noch seinen Moment: Karazor klaut Kainz den Ball auf der rechten Seite, vermasselt zwar den Querpass, aber Angelo Stiller legt den Abpraller mit dem ersten Kontakt auf den Fuß seines Nationalmannschaftskollegen. Bis dahin ist dem Goalgetter an diesem Abend nicht viel gelungen, doch jetzt hat er den richtigen Instinkt. Gegen Schwäbes Laufrichtung rollt der Ball über die Linie (92.).
Auf nach Glasgow
Nach zwei Dritteln der Saison steht der VfB mit 42 Punkten weiter auf Platz vier. Angesichts von 11 Punkten Vorsprung auf Platz 7 winkt die erneute Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb. Und dort erwarten einen dann unter Umständen Spiele, von denen man immer geträumt hat. Wie am kommenden Donnerstag im legendären Celtic-Park in Glasgow.
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reybucanero74
Mein erstes Spiel im Stadion: 1980 VfB – HSV 3:2 (Tore: Müller, Kelsch, Allgöwer) Mein schönstes Stadionerlebnis: 1991 VfB – BVB 7:0 (Allgöwer 2, Sverrisson 3, Walter 2) Meine erste Auswärtsfahrt: 1991 BVB – VfB 0:0 Emotionalster Erfolg: 1992 Deutscher Meister, letzter Spieltag B04 – VfB 1:2 (Tore: Walter, Buchwald) Lieblingsspieler: Helmut Roleder, Asgeir Sigurvinsson