Dann eben Celtic

Nach dem Schlusspfiff laufen die 22 Akteure weiter wild über den Platz. Selten gab es nach Spielende so viele offene Fragen: Warum pfeift der spanische Schiedsrichter das Spiel ab, während El Khannouss allein Richtung leeres YB-Tor läuft? Ist der VfB fürs Achtelfinale qualifiziert? Hat es für die Young Boys in die Play-Offs gereicht? Und: Wie konnte die einseitige Partie zu einem so wilden Schlagabtausch werden?
Aus der Hand gegeben
Über eine halbe Stunde lang bestimmt der VfB das Spiel fast nach Belieben. Das 2:0 ist für die Gäste aus Bern zu diesem Zeitpunkt noch schmeichelhaft. Doch dann lassen die Schwaben nach und der 17-malige Schweizer Meister findet durch zwei Sonntagsschüsse zurück ins Spiel. In der zweiten Halbzeit wogt die Partie hin und her, beide Mannschaften klappen das Visier hoch.
Was aus neutraler Sicht zu einem packenden Europapokal-Match führt, ist aus Trainersicht ein unverständlicher Kontrollverlust. Nach Spielende konstatieren einige Stuttgarter die fehlende Reife der Mannschaft. Eine so deutliche Überlegenheit muss sich in einem ungefährdeten Sieg niederschlagen.
Gemischte Bilanz
Unter dem Strich stehen für den VfB bei der ersten Europa-League-Teilnahme seit 2013/14 fünf Siege und drei Niederlagen zu Buche – für die direkte Achtelfinalqualifikation eine Niederlage zu viel. Besonders das 0:2 beim FC Basel schmerzt im Nachhinein, da die Weiß-Roten im Joggeli eigentlich die bessere Mannschaft waren.
Der VfB ist derzeit in der Europa-League gut aufgehoben. Teams wie Feyernoord, Fenerbahce oder die Roma spielen ungefähr auf dem gleichen Niveau wie die ambitionierten Schwaben. Mit dem Unterschied, dass die Hoeneß-Elf erst in der vergangenen Saison wieder auf die europäische Bühne zurückkehrte, während sich viele Konkurrenten regelmäßig im internationalen Wettbewerb messen. Dieser Mangel an Erfahrung gab bei den Niederlagen in Istanbul und Rom wohl den Ausschlag.
Fußballherz, was willst du mehr?
Fünf Tore in einem rasanten Europapokal-Fight, ein Happy-End durch Chemas Last-Minute-Treffer, die Aussicht auf den Besuch eines der stimmungsvollsten Stadien Europas – die VfB-Fans haben eigentlich keinen Grund zur Klage.
Nur eines sollte man bedenken: Wer ein solches Spiel fast noch aus der Hand gibt, wer über die ganze Saison so häufig vom Gegner überrumpelt wird, wer erst die dritte Saison seit Langem ohne Abstiegsängste durchlebt, sollte nicht zu viel von Titeln und Champions-League träumen. Sonst wird man womöglich trotz aller Erfolge am Ende enttäuscht.
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reybucanero74
Mein erstes Spiel im Stadion: 1980 VfB – HSV 3:2 (Tore: Müller, Kelsch, Allgöwer) Mein schönstes Stadionerlebnis: 1991 VfB – BVB 7:0 (Allgöwer 2, Sverrisson 3, Walter 2) Meine erste Auswärtsfahrt: 1991 BVB – VfB 0:0 Emotionalster Erfolg: 1992 Deutscher Meister, letzter Spieltag B04 – VfB 1:2 (Tore: Walter, Buchwald) Lieblingsspieler: Helmut Roleder, Asgeir Sigurvinsson