El Mago Tomás

Nach 119 Minuten Spielzeit, nach 29 Stuttgarter Torschüssen und unzähligen Zweikämpfen macht sich der gerade eingewechselte Badredine Bouanani noch einmal über die rechte Seite auf. Seine Gegenspieler haben schwere Beine und pumpen wie die Maikäfer. Die Hereingabe in den Strafraum ist eigentlich nicht zu verwerten: halbhoch und leicht in den Rücken. Im Strafraum steht aber nicht irgendwer, sondern Tomás: El Mago Tomás. Der Rest ist Artistik, Ballgefühl und ein bisschen Magie.
Kampf, Krampf und ein Joker
Was macht man gegen einen spielerisch überlegenen Gegner, wenn man eine solide, hochmotivierte Truppe ist wie der SC Freiburg? Klar, man lässt den Kontrahenten nicht ins Spiel kommen, beißt sich in jeden Zweikampf und versucht, eigene Torchancen eiskalt zu nutzen. Eine Stunde lang sehen die 60 000 im Neckarstadion genau das Spiel, das sich die Gäste aus dem Breisgau erhofft haben.
Doch dann wird es plötzlich wild. Stiller kann den Ball aus kurzer Distanz nicht über die Linie stochern (60.), zwei Minuten später trifft der Spielmacher, doch Demirovic stand zuvor eine Handbreit im Abseits. 63. Minute: Für Niko Nartey kommt Bilal El Khannouss – und damit der Joker, der dem Spiel ein neues Gesicht gibt. Von da an läuft jede Offensivaktion der Hausherren über den Marokkaner. Außer beim Showdown des Magiers, aber das hatten wir ja schon.
Verhinderte Helden
Auch die Freiburger haben Akteure in ihren Reihen, die zum Helden getaugt hätten. Zum Beispiel Matthias Ginter, der hinten aufräumt, als sei er eine Wiedergeburt Jürgen Kohlers. Oder Yuito Suzuki, der flinke Dribbler, der kurz vor dem Ausgleich das 0:2 auf dem Fuß hat. Oder Florian Müller, der Ex-VfB-Keeper, der reihenweise beste Chancen seiner ehemaligen Mannschaftskollegen zunichtemacht.
Auch Lukas Höler hätte zum Mann des Tages werden können, wenn ihn Schiedsrichter Welz in der ersten Minute der Verlängerung nicht zurückgepfiffen hätte. Der Ball lag da schon zum vermeintlichen 1:2 für die Gäste im Tor. Foul? Höler soll seinen Körper zu hart gegen Chabot eingesetzt haben. Gegen die 95 Kilo des VfB-Türstehers, der problemlos eine Straßenbahn entgleisen lassen könnte.
Und was ist eigentlich mit Deniz Undav? Der Undav, der laut Bundestrainer gegen Ende des Spiels keine Körner mehr hat, um torgefährlich zu werden. In der 70. Minute schiebt er den Ball nach einem beeindruckenden El Khannouss-Solo mit der Innenseite ins lange Eck – 1:1. Manchmal sieht das beim ehemaligen Drittligakicker von Havelse eher nach Golf aus als nach Fußball. In der 89. Minute rollt die Kugel nach einem erneuten „Put“ knapp am Pfosten vorbei, in der 94. Minute zielt Undav bei seiner Direktabnahme zu zentral. Der Held ist an diesem Tag ein anderer.
VfB Stuttgart – SC Freiburg 2:1 n.V.
reybucanero74
Mein erstes Spiel im Stadion: 1980 VfB – HSV 3:2 (Tore: Müller, Kelsch, Allgöwer) Mein schönstes Stadionerlebnis: 1991 VfB – BVB 7:0 (Allgöwer 2, Sverrisson 3, Walter 2) Meine erste Auswärtsfahrt: 1991 BVB – VfB 0:0 Emotionalster Erfolg: 1992 Deutscher Meister, letzter Spieltag B04 – VfB 1:2 (Tore: Walter, Buchwald) Lieblingsspieler: Helmut Roleder, Asgeir Sigurvinsson