Bum Bum Medo

500 Pässe haben die Weiß-Roten gespielt, viele davon um den Freiburger Strafraum herum – durchgekommen sind sie nicht entscheidend. Bis zur 90. Minute. Der 12. Saisonsieg des VfB erzählt sich anhand dieser einen Szene, die eine neuerliche Eruption in Bad Cannstatt auslöst und die Schwaben unter den Top 4 der Liga etabliert.
Vorwärts verteidigen
Sieben Pflichtspiele haben die Schwaben seit dem 10. Januar in den Beinen, als Mittelstädt noch einmal ins Gegenpressing geht. 40 Meter vor dem gegnerischen Tor fährt der gebürtige Berliner seinem Gegenspieler an der Außenlinie in die Parade. Bloß nicht aufdrehen lassen, den Gegenangriff im Keim ersticken – den Hoeneß-Schützlingen sind diese Abläufe inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen.
Hohe Ballgewinne gefolgt von zielstrebig ausgespielten Angriffen sind zu einem Markenzeichen des Tabellenvierten geworden. Der Vorteil: Drei Offensivspieler sind noch in vorderster Linie positioniert und können sofort angespielt werden. Selbst eine so diszipliniert verteidigende Mannschaft wie den SC Freiburg kann man so auf dem falschen Fuß erwischen.
Schnörkellos
Chris Führich ist nicht gerade für Zielstrebigkeit bekannt. Häufig vertändelt der Flügelspieler vielversprechende Situationen, weil er den Ball zu lange am Fuß hält. Nicht so in der letzten Minute der regulären Spielzeit des Landesduells am Sonntag: Geistesgegenwärtig leitet die Nummer zehn die Kugel nach Mittelstädts beherztem Körpereinsatz direkt auf den linken Flügel zu Deniz Undav.
In der Schlussphase eines zähen Spiels, bei dem die Gäste immer wieder gekonnt die Räume verengt haben, entsteht plötzlich eine Lücke im Defensivverbund. Viel Zeit hat Undav allerdings nicht, um den Angriff abzuschließen. Eine scharfe Hereingabe auf den einlaufenden Leweling scheint seine beste Option zu sein. Oder soll er auf Demirovic legen, der sich im Rückraum anbietet? Aber wann hat der Bosnier aus einer solchen Position zuletzt ein Tor erzielt?
Nicht denken, schießen!
Ermedin Demirovic ist beim VfB seit seinem Wechsel aus Augsburg eine kontroverse Figur. Zu hoch sei die Ablöse für einen Spieler seiner Güteklasse gewesen, zu gering sein Beitrag zum Kombinationsspiel, sagen die einen. Andererseits hat der Mittelstürmer regelmäßig seine Tore erzielt und mit vollem Einsatz überzeugt.
In der 90. Minute kommt Undavs Hereingabe nun also scharf auf seinen rechten Fuß. Nach der Annahme springt der Ball noch einmal auf, bevor ihn Medo mit einem formvollendeten Spannstoß ins rechte Toreck knallt. Der Bewegungsablauf, die Schusstechnik, die Flugbahn des Spielgeräts – bei diesem Schuss stimmt einfach alles.
Was soll man da noch sagen? Ja, es war ein hartes Stück Arbeit, das der VfB da zu leisten hatte. Aber solche Siege machen in der Endabrechnung den Unterschied zwischen einer ordentlichen und einer guten Saison. Apropos: Am Mittwoch geht es in Kiel um den Einzug ins DFB-Pokal-Halbfinale.
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reybucanero74
Mein erstes Spiel im Stadion: 1980 VfB – HSV 3:2 (Tore: Müller, Kelsch, Allgöwer) Mein schönstes Stadionerlebnis: 1991 VfB – BVB 7:0 (Allgöwer 2, Sverrisson 3, Walter 2) Meine erste Auswärtsfahrt: 1991 BVB – VfB 0:0 Emotionalster Erfolg: 1992 Deutscher Meister, letzter Spieltag B04 – VfB 1:2 (Tore: Walter, Buchwald) Lieblingsspieler: Helmut Roleder, Asgeir Sigurvinsson