Wie eine Wildsau

Gerade einmal eine Woche ist es her, dass der VfB in Sinsheim von der Robustheit des Gegners aus dem Tritt gebracht wurde. Erstaunlich, wie es das Trainerteam geschafft hat, der Mannschaft innerhalb weniger Tage eine völlig andere Haltung zu vermitteln. Die Leverkusener müssen nach dem Spiel eingestehen, dass sie von der Hoeneß-Elf „körperlich überrumpelt“ wurden. Sinnbildlich für die intensive Spielweise: „Wildsau“ Demirovic (O-Ton Sebastian Hoeneß).
Medos heißer Atem
Als Ermedin Demirovic im Sommer 2024 nach Stuttgart wechselte, war schnell zu erkennen, dass der Bosnier mit dem vom Trainer bevorzugten Kombinationsfußball fremdelte. Lange Ballstafetten und raffinierte Kombinationen kommen seiner Spielweise nicht entgegen. Medo ist der Spielertyp run and hit. Keiner im Team läuft so aggressiv an wie er, keiner sucht im Strafraum so konsequent den Abschluss. Wenn der geborene Hamburger den Ball serviert bekommt wie in der 5. Minute von Nartey, fackelt er nicht lange.
Der Elfmeter in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit kommt nur dadurch zustande, dass die Gegenspieler ständig Medos heißen Atem im Nacken spüren. Obwohl die Stuttgarter Nummer neun wohl nicht an die Flanke herangekommen wäre, weiß sich Tapsoba nicht anders zu helfen, als ihm ein Bein zu stellen. Mit 12 Toren und 5 Vorlagen liegt Demirovic hinter Undav auf Platz zwei der internen Scorerliste, obwohl er nur 24 der 33 Ligaspiele bestreiten konnte.
Zocker und Kämpfer
Dass es im Brustringtrikot einige Spieler gibt, die zocken können, wissen wir schon länger. Die Intuition eines Deniz Undav, die Dynamik eines Chris Führich oder die Spielfreude eines Bilal El Khannouss haben den VfB zu einer Mannschaft gemacht, die ligaweit für ihren gepflegten Spielstil und ihre Offensivstärke gefürchtet wird. Allein mit Hacke-Spitze erreicht man im Fußball aber nichts. Dafür braucht es Spieler, die rempeln und grätschen.
Wenn es nächste Woche zum entscheidenden Auswärtsspiel nach Frankfurt geht, sind genau diese Zutaten gefragt, um Platz vier und damit die Champions-League-Qualifikation endgültig einzutüten. Da möchten wir eine Innenverteidigung mit Gladiator Chabot und Flying Dutchman Hendriks sehen, Beißer Mittelstädt auf links – und im Sturmzentrum natürlich wieder die Wildsau.
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reybucanero74
Mein erstes Spiel im Stadion: 1980 VfB – HSV 3:2 (Tore: Müller, Kelsch, Allgöwer) Mein schönstes Stadionerlebnis: 1991 VfB – BVB 7:0 (Allgöwer 2, Sverrisson 3, Walter 2) Meine erste Auswärtsfahrt: 1991 BVB – VfB 0:0 Emotionalster Erfolg: 1992 Deutscher Meister, letzter Spieltag B04 – VfB 1:2 (Tore: Walter, Buchwald) Lieblingsspieler: Helmut Roleder, Asgeir Sigurvinsson